Whistleblower Manning muss 35 Jahre sitzen

22. August 2013 - 19:45 Uhr

Ankläger hatten 60 Jahre gefordert - VIPs reagieren zum Teil entsetzt

Wikileaks-Informant Bradley Manning muss wegen seines Geheimnisverrats für 35 Jahre ins Gefängnis. Das gab US-Militärrichterin Denise Lind in Fort Meade (US-Staat Maryland) bekannt. Einzelheiten zur Begründung nannte sie nicht. Der 25-jährige Ex-Soldat selbst nahm das Urteil bei der kurzen Anhörung ohne Regung auf.

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Unterstützer von Bradley Manning warteten vor dem Gerichtssaal und sprachen ihm Mut zu.
© dpa, Jay Westcott

Die Höchststrafe liegt bei 90 Jahren. Die Ankläger hatten mindestens 60 Jahre gefordert. Insgesamt dreieinhalb Jahre werden von der Strafe abgezogen, weil Manning bereits seit Mai 2010 in Untersuchungshaft sitzt und dabei nach Ansicht der Richterin Denise Lind teilweise besonders schwere Bedingungen erleiden musste. Eine Entlassung aus dem Gefängnis vor Ablauf seiner Strafe ist rechtlich möglich.

Als Manning von Soldaten aus dem Gerichtssaal gebracht wurde, riefen seine Anhänger: "Wir werden weiter für dich kämpfen, Bradley" und "Du bist unser Held." Amnesty International und das Bradley-Manning-Unterstützungsnetzwerk haben eine Petition vorbereitet, in der sie US-Präsident Barack Obama um die Begnadigung des 25-Jährigen bitten wollen.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte das Strafmaß als unverhältnismäßig hart. "Das Urteil gegen Bradley Manning ist ein weiterer Beleg, dass die USA endlich ein Gesetz zum Informantenschutz brauchen", sagte ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske. "Wenn Präsident Barack Obama seinen Feldzug gegen Whistleblower nicht schnell beendet, werden Journalisten in den USA bald immer weniger in der Lage sein, Fehlverhalten von Regierung und Behörden aufzudecken."

Stars wie Lady Gaga (27) reagierten bestürzt auf die Haftstrafe. "Die Nachricht von Bradley Mannings Verurteilung ist verheerend", schrieb die Popsängerin bei Twitter, wo ihr fast 40 Millionen Menschen folgen. "Wenn wir selber nicht mehr laut über Ungerechtigkeit reden können, wer dann? Wie werden wir jemals mehr vorankommen?" Der Gitarrist der Band Rage Against The Machine, Tom Morello (49), twitterte: "Wir verfolgen aggressiv diejenigen, die Kriegsverbrechen aufdecken, und schützen sorgsam jene, die sie begehen."

Schuldig wegen Geheimnisverrat und Spionage

Das Strafmaß wird nach Militärrecht automatisch einem Berufungsgericht zur Prüfung vorgelegt. Zudem kann die Verteidigung das Urteil durch mehrere Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof anfechten. Sollte es bei dem Strafmaß bleiben, kann Manning laut Experten bei guter Führung im besten Fall bereits in weniger als zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen werden.

Manning hatte während seiner Zeit als Geheimdienst-Analyst der US-Armee im Irak Hunderttausende Geheimpapiere an die Internet- Enthüllungsplattform Wikileaks gegeben. Lind befand ihn Ende Juli unter anderem des Geheimnisverrats und der Spionage für schuldig. Im schwerwiegendsten Vorwurf, Unterstützung des Feindes, sprach sie ihn indes frei. Vor einer Woche hatte sich Manning schließlich vor Gericht für den Verrat entschuldigt.

Verteidiger David Coombs charakterisierte Manning als einen idealistischen, wenn auch naiven jungen Mann, dem die Chance auf ein normales Leben und Rehabilitation nicht verweigert werden dürfe. Zumal die Weitergabe der Informationen keinen langfristigen Schaden für die Sicherheit der USA angerichtet habe. Manning könne nach einer kurzen Freiheitsstrafe ein "produktives Mitglied" der Gesellschaft sein.

Anklagevertreter Joe Morrow argumentierte, Manning habe sich "ernster Verbrechen" schuldig gemacht. "Er hat Verrat an den Vereinigten Staaten begangen, und wegen dieses Verrats verdient er, den größten Teil seines restlichen Lebens in Gewahrsam zu verbringen."