26. Juni 2019 - 19:31 Uhr

Nach den Verdachtsfällen von sexuellem Missbrauch am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) prüft ein weiterer früherer Arbeitgeber des beschuldigten Assistenzarztes dessen Patientenkontakte. Der inzwischen gestorbene Mann sei in der Zeit von April 2014 bis zu seinem Tod im Juni 2016 in der Klinik für Neurologie im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern beschäftigt gewesen, teilte die Klinik am Mittwochabend mit. Nach derzeitigem Kenntnisstand habe der Mann allerdings in seinem dienstlichen Umfeld in der Klinik für Neurologie keinen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen gehabt. Bisher hätten sich keine Hinweise auf möglichen Kindesmissbrauch ergeben.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe habe die Geschäftsführung des Westpfalz-Klinikums eine Taskforce eingerichtet, hieß es. Derzeit sei man dabei, die Patientenkontakte des ehemaligen Assistenzarztes "im Detail zu ermitteln". "Sollten sich dort Anhaltspunkte für ähnliche Vorkommnisse wie an der Uniklinik Homburg zeigen, werden wir unmittelbar die Staatsanwaltschaft und die Betroffenen informieren", erklärte Thorsten Hemmer, der Vertreter des Geschäftsführers. Sobald neue Erkenntnisse vorlägen, werde man die Öffentlichkeit informieren.

Am Montag war bekanntgeworden, dass der ehemalige Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS in Homburg von 2010 bis 2014 womöglich mehrere Kinder bei Untersuchungen sexuell missbraucht hat. Die Eltern der meist fünf bis acht Jahren alten Kinder wurden bis vor kurzem nicht darüber informiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen der Behandlung von 34 Patienten. Nach dem Tod des Arztes 2016 waren die Ermittlungen eingestellt worden. Der Fall hat im Saarland auch eine politische Debatte ausgelöst. An diesem Donnerstag will sich der Justizausschuss im Saar-Landtag über das Thema berichten lassen, wie die SPD-Landtagsfraktion angekündigt hatte.

Quelle: DPA