Stadt verteidigt ihre Entscheidung

Wermelskirchen: Familie verliert Kitaplätze - weil sie 500 Meter aus dem Ort heraus gezogen ist

Familie Weyer verliert zwei Kita-Plätze, weil sie knapp außerhalb des Ortes wohnen.
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15. Juni 2020 - 12:03 Uhr

Familie zieht einen Kilometer weiter weg und verliert Anspruch auf Kita-Plätze

Im April flatterten bei Familie Weyer gleich zwei Schocknachrichten per Post ins Haus: Die Stadt Wermelskirchen kündigte erst den Kindergartenplatz ihres Sohnes, kurz darauf den ihrer Tochter. Ab dem 1. August dürfen die Kinder ihre Kita nicht mehr besuchen. Der Grund: Die Weyers waren wenige Monate zuvor nach Höhrath umgezogen. Jetzt lebt die Familie zwar nur etwa einen Kilometer von ihrem alten Haus entfernt, doch für die Stadt bedeutet das einen entscheidenden Unterschied. Denn: Das neue Haus liegt etwa 500 Meter hinter die Stadtgrenze.

Die Stadt soll über den Umzug informiert gewesen sein

Was das Ganze für die Weyers noch absurder macht: Die Familie hatte bereits vor dem Umzug befürchtet, dass die Lage ihres neuen Eigenheims zum Problem werden könnte. Bereits 2018 habe sie deshalb die Stadt kontaktiert, beteuert Mutter Anika Weyer gegenüber RP Online, um sicherzustellen, dass die Kita-Plätze ihrer Kleinen nicht gefährdet seien. Daraufhin habe ein Gespräch mit dem Bürgermeister stattgefunden.

"Als ich auf unseren geplanten Umzug hinwies, erklärte er mir: Der neue Wohnort könne formal erst mal zur Kündigung führen, allerdings entspanne sich die Kindergartensituation bis 2020 und dann sei es kein Problem, im Kindergarten in Wermelskirchen zu bleiben", erinnert sich Anika Weyer.

Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Bürgermeister Rainer Bleek hält dagegen. "Wir haben damals schon auf die möglichen Konsequenzen hingewiesen und mitgeteilt, dass es nach einem Umzug keinen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz in Wermelskirchen mehr gibt", so Bleek zu RP Online. Das große Problem sei, dass es in Wermelskirchen zu wenige Kita-Plätze gebe. Würde man nun Plätze an Kinder aus anderen Orten vergeben, "dann könnten Wermelskirchener Familien klagen", so Bleek.

Die Familie hat Widerspruch gegen die Kündigungen der Kita-Plätze eingelegt. Über den Fall des Sohnes soll bereits diese Woche entschieden werden.