"Was wäre passiert, wenn...?"

Kontrafaktisches Denken: Ist Bronze besser als Silber?

Kontrafaktisches Denken: Ist der Bronze-Gewinner wirklich glücklicher als der Zweitplatzierte?
© dpa, Christian Charisius

06. Juni 2020 - 20:40 Uhr

Was ist kontrafaktisches Denken?

Besonders bei großen Sportereignissen wie den Olympischen Spielen kommt es häufig vor: Der Gewinner der Bronze-Medaille scheint auf dem Podest glücklicher zu sein als der Zweitplatzierte. Psychologen erklären dieses Phänomen mit dem sogenannten "kontrafaktischen Denken". Hierbei denken wir darüber nach, was hätte passieren können, wenn die Dinge anders gelaufen wären - statt uns auf tatsächliche Fakten zu konzentrieren.

Häufiges Beispiel: Wann denken wir kontrafaktisch?

Beim kontrafaktischen Denken tendieren Menschen dazu, ihre aktuelle Situation mit anderen Situationen zu vergleichen, die möglich gewesen wären, wenn gewisse Ereignisse (nicht) passiert wären. Die sogenannten "kontrafaktischen" Annahmen, die wir dann über die Vergangenheit treffen, beeinflussen häufig unser Wohlbefinden in unserer aktuellen Situation.

Ein Beispiel, das hierbei häufig verwendet wird, ist der Vergleich von Silbermedaillengewinnern und den etwas schlechteren Bronzemedaillengewinnern: Während der Zweitplatzierte bei einem Wettkampf zwar faktisch besser als der Drittplatzierte abgeschnitten hat, ist er häufig unzufriedener mit seiner Situation. Durch das kontrafaktische Denken vergleicht er seinen zweiten Platz eher damit, was passiert wäre, wenn er nur etwas besser gewesen wäre – und es für den ersten Platz gereicht hätte. Der Bronzemedaillengewinner hingegen vergleicht sich rückblickend eher damit, wie er dastehen würde, wenn die Dinge nur etwas schlechter gelaufen wären und freut sich daher umso mehr, dass er es auf das Treppchen geschafft hat.