Wer ist eigentlich Josuha Guilavogui?

Umrahmt von Dieter Hecking (links) und Klaus Allofs (rechts): VfL-Neuzugang Josuha Guilavogui.
Umrahmt von Dieter Hecking (links) und Klaus Allofs (rechts): VfL-Neuzugang Josuha Guilavogui.
© dpa, Dominique Leppin

15. August 2014 - 10:37 Uhr

Serie: Bundesliga-Neuzugänge unter der Lupe

Einst hoch gelobt, mittlerweile kritisch beäugt - mit Josuha Guilavogui hat sich der VfL Wolfsburg einen Spieler an Land gezogen, an dem sich die Geister scheiden. Obwohl seine Karriere ein wenig ins Stocken geraten ist, greift der VfL für den Defensiv-Allrounder verhältnismäßig tief in die Tasche. Die Frage nach den Gründen dafür scheint berechtigt.

Als der VfL Wolfsburg vergangene Woche den Transfer von Josuha Guilavogui bekannt gab, rieb sich so mancher Experte verwundert die Augen. Mehr als 5 Millionen Euro sollen die 'Wölfe' hingelegt haben, um sich die Dienste des Franzosen zu sichern - und das vorerst nur für die kommenden beiden Spielzeiten. Manager Klaus Allofs bezeichnete den Deal, Guilavogui für zwei Jahre von Atletico Madrid ausgeliehen und sich eine anschließende Kaufoption gesichert zu haben, als "gute Lösung für uns". Da drängt sich dem neutralen Beobachter die Frage auf: Warum eigentlich?

Denn dieser Guilavogui ist, bei allem Respekt, im internationalen Fußball noch ein unbeschriebenes Blatt. Vor 23 Jahren in Toulon geboren, lernte er das Fußballspielen in der Jugend der AS Saint-Etienne, wo der Defensiv-Allrounder behutsam an den Profi-Kader herangeführt wurde. Nachdem er im Januar 2009 sein Debüt in der ersten Mannschaft gegeben hatte, folgte in der Saison 2010/2011 der Durchbruch: Guilavogui entwickelte sich in der Rückrunde zu einer festen Größe und hatte in den beiden darauf folgenden Spielzeiten seinen Anteil daran, dass sich das einst ruhmreiche Saint-Etienne endlich wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizierte.

Während der Verein davon träumte, an die großen Erfolge schon fast vergessener Tage anzuknüpfen, wagte Guilavogui den nächsten Karriereschritt - und stand schnell im Abseits. Zehn Millionen legte Atletico Madrid für den mittlerweile zum Nationalspieler gereiften Guilavogui hin, setzte ihn in der Primera Division exakt eine Minute ein und schob ihn auf Leihbasis wieder nach Saint-Etienne ab. Bei seinem Heimatverein lief es ebenfalls alles andere als rund, der einstige Shooting-Star kam nur noch auf neun Einsätze, als herausragend konnten die Experten seine Leistungen nicht mehr bezeichnen.

In Wolfsburg sind sich die Verantwortlichen trotzdem sicher, dass die im Raum stehenden 5,5 Millionen Euro Leihgebühr eine sinnvolle Investition sind. "Wir haben einen sehr flexiblen, jungen und interessanten Spieler für uns gewonnen", frohlockte Trainer Dieter Hecking. Manager Allofs sprach von einem "jungen Spieler mit großem Potenzial, der bereits über internationale Erfahrung verfügt und seinen Teil dazu beitragen wird, die Mannschaft in ihrer Entwicklung weiter voranzubringen" - die üblichen Lobhudeleien, wenn man nicht wenig Geld für einen Spieler auf den Tisch gelegt hat.

Guilavogui will zurück in die Nationalelf

Josuha Guilavogui, Atletico Madrid, VfL Wolfsburg
Bei seinem Debüt für den VfL blieb Josuha Guilavogui weit hinter den Erwartungen zurück.
© imago/Hübner, imago sportfotodienst

Die Fachleute in Frankreich beäugen Guilavoguis Fähigkeiten mittlerweile ein wenig kritischer. Seine stattliche Größe von 1,88 Meter helfe dem defensiven Mittelfeldspieler zwar im Zweikampf, darunter leide allerdings auch die Handlungsschnelligkeit und der Antritt. Weil er im Passspiel sowie der Spieleröffnung viel Luft nach oben hat und Guilavogui nach seinem einzigen Länderspiel dieses Jahres gegen Belgien mit Verletzungen zu kämpfen hatte, war eine WM-Teilnahme schnell vom Tisch.

Der kleine Knick in der rasanten Karriere hat offenbar zu Demut geführt. "Ich will mich in Wolfsburg weiterentwickeln, kann mich auf europäischer Bühne präsentieren", sagte Guilavogui dem 'kicker', nicht ohne hinterherzuschieben, dass er sich eine Rückkehr in die Nationalmannschaft erhofft. Bei der 'Equipe Tricolore' wurde er nach famosen Auftritten in den Junioren-Auswahlteams schon als der neue Patrick Viera gefeiert. "Es ist immer schön, mit ihm verglichen zu werden, ich möchte mir das aber nicht anmaßen. Ich muss hart arbeiten, um einmal auf sein Level zu kommen."

Hart arbeiten muss Guilavogui auch, um seine Qualitäten in der Bundesliga überhaupt erst unter Beweis stellen zu können, denn mit Luiz Gustavo, Junior Malanda und Slobodan Medojevic hat Hecking drei Sechser im Kader, die schon vergangene Saison ordentliche Arbeit verrichtet haben. "Das ist für mich nichts Neues, überall, wo ich gespielt habe, hatte ich Konkurrenz", entgegnet Guilavogui, der kein Typ sei, "der im Training hart einsteigt, um sich den Platz zu erkämpfen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam erfolgreich sind."

Das ging im ersten Spiel mit ihm schon einmal gründlich in die Hose. Bei Wolfsburgs 1:5 gegen Atletico blieb Guilavogui meilenweit hinter den Erwartungen zurück, die man damit verbindet, wenn ein Leihspieler mehr als 5 Millionen Euro kostet. Warum die VfL-Verantwortlichen in zwei Jahren noch einmal 5 Millionen Euro hinlegen sollen, um ihn fest zu verpflichten, dafür kann Guilavogui nun Argumente liefern - und dafür bleibt ihm wahrscheinlich mehr Zeit als die eine Minute in Madrid.

Daniel Grochow