Wer Fußballfan ist, muss Helene Fischer auspfeifen? Lächerlich!

31. Mai 2017 - 16:11 Uhr

Von Patrick Eckholt

Nicht der Helene-Fischer-Auftritt war das Problem, sondern die Reaktion. Ein beschämendes Pfeifkonzert beim Pokalfinale im Berliner Olympiastadion. Statt eines Beiwerks zu Bratwurst und Bier, rückte der Halbzeit-Auftritt durch Protest und jammernde Kommentare in den Fokus. "Da muss ein Musiker vielleicht auch mal durch", sagte die Schlagersängerin in der RTL-Sendung 'Mensch Gottschalk'. Das musste sie: Als Sündenbock für eine alberne Wette, den Fan-Hass auf den DFB und ihre angebliche BVB-Sympathie.

Nachträgliche Entschuldigung: "Wir mögen Dich und lieben den Sport"

BERLIN, GERMANY - MAY 27:  Executive Director Sports of Eintracht Frankfurt Fredi Bobic arrives for the DFB Cup Final 2017 between Eintracht Frankfurt and Borussia Dortmund at Olympiastadion on May 27, 2017 in Berlin, Germany.  (Photo by Matthias Han
Schloss sich den kritischen Meinungen der Fans an: "Wahre Fans haben keine Lust darauf"
© Bongarts/Getty Images, Bongarts, mc

"Das hat beim Pokalfinale nichts zu suchen", sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic nach der 1:2-Niederlage. Warum? "Weil wir Fußball spielen und die wahren Fans des Fußballs haben in der Halbzeitpause keine Lust darauf." Heißt also, dass die Zuschauer, die nicht gepfiffen haben, keine wahren Fans des Fußballs sind? Lächerlich. Schuld am Endergebnis wurde dem Fischer-Auftritt nicht unterstellt – immerhin. Dass die Protestaktion gegenüber der Schlagersängerin zu weit ging - zumindest an die falsche Person -  zeigte Eintracht Frankfurt mit einer Entschuldigung via Twitter: "Liebe Helene Fischer. Nix gegen Dich und Deine Musik. Mit Dir hat das nichts zu tun! Wir mögen Dich und lieben den Sport." Na dann.

Stattdessen sollen die Frankfurt-Anhänger gepfiffen haben, da Fischer mit Finalgegner BVB sympathisiere. Frankfurter Wirte hätten zudem mit einer Wette dazu aufgerufen, lauter zu pfeifen, als Helene Fischer singt. Die Belohnung: Freibier. Der Sieg auf dem Platz als Motivation für die Wette wäre weniger albern gewesen.

Hauptsache, es wird gemeckert

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Nena ist 2010 vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem BVB und dem HSV aufgetreten. Die Fans jubelten ihr zu.
© deutsche presse agentur, dpa, firo sportphoto (21460851)

Auch die Dortmunder Anhänger pfiffen fleißig. Aus Frust gegenüber der Kommerzialisierung im Fußball. "Scheiß DFB" stand auf dem Banner in der Kurve. Gegen die Kommerzialisierung im Fußball zu protestieren, ist ihr gutes Recht. Ob Pfiffe gegen Helene Fischer dagegen helfen, ist fraglich. Werbung bis unters Stadiondach, millionenschwere Marketingkampagnen und Transferpoker von Beratern: Dinge, die deutlich einflussreicher sind. Aber egal: Hauptsache, es wird gemeckert.

Dazu gibt es Auftritte beim Fußball als Gegenbeispiele, die scheinbar doch erwünscht sind. Beispielweise Helene Fischer bei der Weltmeister-Feier auf der Berliner Fanmeile. Ja, die Helene Fischer. Oder Sängerin Nena, die vor einem Bundesliga-Spiel schon unter Jubel mit ihrem Song 'Leuchtturm' im BVB-Stadion aufgetreten ist. Und nein, wegen eines solchen Auftritts sind diese Spiele noch lange nicht der amerikanische Superbowl.

'Griechischer Wein' statt 'Atemlos'?

Noch ein Gegenbeispiel: Vor 20 Jahren scheint Fredi Bobic noch kein "wahrer Fan des Fußballs" gewesen zu sein. Beim Pokalfinale 1997 zwischen dem VfB Stuttgart und Energie Cottbus stand Bobic als Spieler im Kader. Udo Jürgens trat mit einem Medley auf – und wurde gefeiert. Kein kritischer Kommentar von Bobic. Aber vielleicht hört er auch einfach lieber 'Griechischer Wein' statt 'Atemlos'.

Musikrichtung hin oder her. Mit ein bisschen Respekt hätten die Fans im Olympiastadion den Auftritt kommentarlos über sich ergehen lassen können. Ohne Pfiffe. Sondern mit Vorfreude auf die zweite Halbzeit, die nach wie vor im Vordergrund steht. Ob mit oder ohne Helene Fischer.