Wir räumen mit den 7 häufigsten Verkehrsirrtümern auf

Wer auffährt, ist in jedem Fall Schuld? Nicht unbedingt!

Bei einem Unfall ist es wichtig zu wissen, was zu tun ist.
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01. Dezember 2020 - 16:56 Uhr

Manche Verkehrsregeln haben sich falsch in den Köpfen verankert

Ob "rechts vor links" oder Parkverbot in der Fußgängerzone: Gehören Sie auch zu den Menschen, die glauben, im Straßenverkehr den vollen Durchblick zu haben? Willkommen im Club! Doch viele vermeintliche Regeln und Gebote, die sich seit Jahren fest in unseren Köpfen verankert haben, sind falsch. Wir räumen auf mit den sieben populärsten Verkehrsirrtümern.

Irrtum #1: Radfahrer gehören nicht auf die Straße

Haben Sie sich auch schon einmal über Radfahrer geärgert, die auf der Straße fahren, obwohl es einen Radweg gibt? Damit sind Sie sicher nicht allein. Und dennoch ist der Radfahrer in diesem Fall im Recht. Radfahrer müssen nicht den Radweg nutzen, wenn sie die Straße vorziehen.

Dort, wo das blaue, runde Schild mit Hinweis auf den Radweg aufgestellt ist, müssen Radfahrer allerdings den Fahrradweg nutzen. An diesen Stellen ist die Nutzung der Straße – zum Beispiel aufgrund einer Fahrbahnverengung – zu gefährlich.

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Irrtum #2: Bei vereisten Scheiben genügt es, ein "Guckloch" freizukratzen

Gerade an kalten Wintermorgen, wenn die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen, sorgt Eiskratzen bei vielen für Frust. Umso schneller wollen viele das notwendige Übel hinter sich bringen, um fix ins warme Auto zu flüchten. Wer jedoch denkt, er müsse lediglich hinten, vorne und an den Seiten ein paar kleine Gucklöcher frei kratzen, irrt. Die Scheiben müssen komplett vom Eis befreit sein, bevor Sie losfahren.

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Zudem muss der Schnee vom Autodach entfernt werden, da er anderen Autofahrern sonst beim Fahren auf die Windschutzscheibe wehen könnte.

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Irrtum #3: Auch auf Parkplätzen gilt die Regel "rechts vor links"

Nicht selten artet das Verlassen oder Befahren eines Supermarkt-Parkplatzes in wildes Gehupe aus. Jeder wähnt sich im Recht und gibt Gas. Während die einen auf rechts vor links pochen, scheinen die anderen sich um gar keine Verkehrsregel zu scheren. Doch wer liegt richtig?

Grundsätzlich gilt auf Parkplätzen jeglicher Art das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Fahren Sie langsam, umsichtig und rücksichtsvoll. Blickkontakt und Gestik können hier Konflikte im Vorfeld entschärfen.

Irrtum #4: Beim Reißverschlussverfahren möglichst früh die Spur wechseln

Viele Autofahrer geraten regelrecht in Panik, wenn Sie das Verkehrsschild sehen, das eine Fahrbahnverengung in einigen hundert Metern Entfernung ankündigt. Sie befürchten, dass sie sich am Ende der Spur nicht mehr einfädeln können. Folglich wechseln sie die Spur zu früh, was nicht selten einen Mini-Stau nach sich zieht.

Laut Gesetz sollte die Spur tatsächlich erst am Ende des Fahrstreifens gewechselt werden.

Irrtum #5: Ist der Parkscheinautomat kaputt, muss ich nicht zahlen

Etwas, das vermutlich jeder Autofahrer kennt: Sie haben endlich einen Parkplatz gefunden und wollen ein Parkticket ziehen. Dabei stellt sich heraus: Der Parkscheinautomat ist kaputt. Wer sich in diesem Fall über die gesparte Parkgebühr freut, hat sich leider zu früh gefreut.

Denn zuvor müssen Sie überprüfen, ob der nächstgelegene Parkscheinautomat in Betrieb ist. Wenn ja, ziehen Sie dort Ihren Parkschein. Falls nein, müssen Sie eine Parkscheibe einlegen. Dabei dürfen Sie die angegebene Höchstparkdauer nicht überschreiten.

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Irrtum #6: Wer auffährt, ist in jedem Fall schuld

Auch das ist eine Regel, die jeder kennt – und dennoch gibt es eine Einschränkung. Sie setzt nämlich voraus, dass der Auffahrende abgelenkt, zu schnell oder mit zu wenig Abstand unterwegs war.

Kann der Hintermann aber belegen, dass der Vordermann grundlos gebremst hat, hat dieser Schuld. Wer beispielsweise für einen Igel oder eine Katze bremst, bremst laut Gesetz grundlos.

Irrtum #7: Wer ein anderes Auto beim Parken beschädigt, darf fahren, nachdem er seine Kontaktdaten hinterlegt hat

Beim Ausparken etwas zu viel Gas gegeben oder beim Einparken den Winkel falsch eingeschätzt und schon ist es passiert: Sie hängen dem Vordermann auf der Stoßstange oder hinterlassen eine unschöne Delle an dessen Auto. Viele glauben, den "Tatort" verlassen zu dürfen, nachdem sie am Auto des Geschädigten eine Nachricht mit ihren Kontaktdaten hinterlassen haben. Doch dem ist nicht so.

Stattdessen sind Sie angehalten, mindestens 20 Minuten auf den Fahrer des Autos zu warten. Wenn dieser in der Zeit nicht auftaucht, sollten Sie die Polizei rufen und den Tathergang zu Protokoll geben. Ansonsten kann Ihnen das Verlassen des Unfallortes als Fahrerflucht ausgelegt werden.