Im Kampf gegen Kinderpornografie

Wenn Zivilisten Kinderschänder jagen: Polizei in NRW geht ungewohnte Wege

4. Juli 2019 - 14:39 Uhr

Von Michael Ortmann

Ein kurzer Blick auf den Monitor und das ganze Grauen offenbart sich. Dort räkelt sich ein circa zehn bis elf Jahre altes, geschminktes Mädchen im Slip auf einem Sessel. Die Beine gespreizt, der Mund grell geschminkt. Ihre rechte Hand hat sie im Schritt und mit der linken geht sie sich scheinbar lüstern durch das Haar. Dazu aufreizende Posen Richtung Kamera. Und das ist nur der Anfang der Bilderserie. Den Rest zeigt Patric Schönenberg, Analyst beim Landeskriminalamt in Düsseldorf, lieber nicht. Das Bild von dem unbekannten Mädchen ist ein Bild von Abermillionen Bildern und Videos, die er seit sieben Jahren täglich analysieren muss.

Normalbürger auf der Jagd nach Pädophilen

Nicht mehr zu bewältigen sei diese Flut von Dateien, so NRW-Innenminister Herbert Reul. Doch mehr Polizisten sind im Moment nicht verfügbar. Also kam der umtriebige Innenminister jetzt auf eine ungewöhnliche Idee. Er bewilligte 24 Stellen beim Landeskriminalamt in Düsseldorf für Zivilisten. Normalbürger also. Die sollen nun gemeinsam mit erfahrenen Fahndern im Netz Jagd auf Pädophile machen. "Die Idee ist aus einer Not entstanden" so Reul , "wenn wir jetzt Polizisten ausbilden, dann stehen sie uns erst in drei oder vier Jahren zu Verfügung. Aber wir brauchen jetzt Antworten".

Und Hilfe wird tatsächlich dringend gebraucht. Gerade nach dem massenhaften Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im westfälischen Lügde wurden Unmengen an Daten, Bild und Videodateien gefunden, die allesamt ausgewertet werden müssen. Und das ist nur ein Fall von Tausenden.

Beeindruckender Ansturm auf extrem belastende Arbeitsplätze

150 Personen haben sich auf die 24 Stellen beim LKA Düsseldorf beworben. Unter den Bewerbern waren Verwaltungsangestellte, Juristen oder Hochschulabsolventen. Zwischen 25 und 45 Jahren und überwiegend Frauen. Natürlich hatte man auch Sorgen, dass Pädophile sich um einen der Plätze bewerben könnten. Aber, so Schneider, "niemand sitzt alleine in einem Büro sondern die neuen sind immer umgeben von weiteren Kollegen. So haben wir eine durchgängige Sozialkontrolle". Auch Handys oder USB-Sticks dürfen nicht in die Analyseräume mitgenommen werden.

Psychologische Begleitung für Neulinge

Im Herbst werden die Neuen in Düsseldorf anrücken. Und dann werden sie jeden Tag in einem Meer von schrecklichen Bilder und Videos nach Hinweisen suchen. Patric Schönenberg wird sie ausbilden und er weiß genau, worauf sich achten müssen. Aber im Vordergrund wird es für die Neuen schwer erträglich. Da werden Babys vergewaltigt, junge Mädchen von mehreren Unbekannten missbraucht oder kleine Jungen gedemütigt. Oft als livestream für eine perverse und zahlungskräftige Kundschaft. Beim LKA weiß man aber auch, dass ohne psychologische Begleitung dieser Job nicht machbar wäre.