5. Januar 2017 - 11:21 Uhr

"Was wäre denn die Alternative gewesen? Die Jungs laufen lassen und schauen, was passiert?"

Nach der Kritik am Einsatz der Kölner Polizei an Silvester spricht Ex-Bundespolizist Nick Hein Klartext. War die Überprüfung ausländisch aussehender Menschen effiziente Polizeiarbeit oder Rassismus? Dass diese Frage aus Teilen der Politik überhaupt gestellt wurde, macht Hein, der selbst lange in Köln tätig war, fassungslos.

War die Überprüfung ausländisch aussehender Menschen effiziente Polizeiarbeit oder Rassismus - wie würden Sie diese Frage beantworten, Herr Hein?

Ich bin einfach genervt von dieser Debatte. Da kommen hunderte junge, dem Erscheinungsbild der letztjährigen Haupttäter entsprechenden stark alkoholisierte Männer an, werden von der Polizei befragt und kontrolliert – was wäre denn die Alternative gewesen? Die Jungs laufen lassen und schauen, was passiert, um sich im Nachhinein anhören zu müssen, dass man nicht eingeschritten ist, als man noch die Chance hatte? Die Polizei hat absolut richtig reagiert, deswegen habe ich absolut kein Verständnis für diese Reaktion.

Was würden sie sich für eine Reaktion von der Politik wünschen?

Bei der Polizei arbeiten Experten. Die haben Ahnung von dem, was sie tun. Und wenn man keine Ahnung von der Praxis hat, dann sollte man vielleicht einfach mal die Goschen halten.

Viel Kritik gab es auch an der Polizei-Abkürzung 'Nafri' für Nordafrikanische Intensivtäter. Können Sie das nachvollziehen?

Zum Teil ja, denn man hat diesen Begriff aus dem Zusammenhang gerissen benutzt. Das ist normalerweise eine Abkürzung aus dem Funkgebrauch. Genauso wie 'Ami' eine Abkürzung für einen Amerikaner und 'Aussie' für einen Australier ist. Das macht man, um einfach schnell so viele Informationen wie möglich an die Leitstelle weiterzugeben und hat keinerlei Wertung.

Öffentlich hat man den Eindruck: Egal, was die Polizei macht, sie macht es falsch. Die Polizei braucht aber auch Nachwuchskräfte, wer will denn diesen Job überhaupt noch haben?

Als Polizist ist man Idealist. Man macht den Job nicht für die Schulterklopfer und – glauben Sie mir – auch nicht für das Geld. Ich glaube weiter fest daran, dass wir ganz viele junge Frauen und Männer haben, im Übrigen auch mit Migrationshintergrund, die diesen Job machen wollen. Deshalb glaube ich auch, dass das Ganze fortbestehen wird, egal wie wenig Rückhalt momentan vielleicht von der Politik zu erwarten ist.