21. Mai 2018 - 16:18 Uhr

Mütter brauchen die Hilfe der Kinder

Was macht es mit Kindern, wenn sie bereits als Jugendliche zu Teilzeitpflegern ihrer Eltern werden? Die Mütter von Vincent und Victoria sind krank und auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Ein harter Job für die Kinder – aber einer, den sie mit Bravour meistern.

Pflege der Eltern als Normalzustand

Der 15-jährige Vincent fährt mit seiner Mutter in den Zoo – nicht umgekehrt. Denn nach einem Schlaganfall vor 14 Jahren ist Mama auf Hilfe angewiesen. Sie sitzt im Rollstuhl und kann nur wenig sehen. Vincent ist damit aufgewachsen, dass er sich um seine Mutter kümmern muss; er kennt keinen anderen Alltag.

Im Gegensatz zu Victoria (11), deren Leben sich vor eineinhalb Jahren schlagartig änderte. Bei ihrer Mutter wurde Brustkrebs diagnostiziert. Es folgten eine Operation und eine Chemotherapie – trotz positiver Prognose war die Sorge um ihre Mama groß. Die Lücke, die plötzlich im Haushalt entstand, wollte Victoria ausfüllen und geriet dabei mit ihrem Bruder aneinander. Wie die Jugendlichen die für ihr Alter so untypischen Aufgaben bewältigen, sehen Sie im Video.

Projekt 'Pausentaste' hilft Betroffenen

Etwa 230.000 Kinder und Jugendliche pflegen in Deutschland Angehörige. Das hat laut Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) eine Befragung des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) ergeben. Für die Heranwachsenden oft eine übermenschliche Aufgabe – viele nehmen sich selbst nicht einmal als pflegende Angehörige wahr, kümmern sich ganz selbstverständlich um kranke Familienmitglieder. Junge Menschen mit Pflegeverantwortung sind häufig überfordert, kriegen deshalb psychische Probleme oder kommen in der Schule nicht mehr mit.

Das BMFSFJ hat das Projekt 'Pausentaste - Wer anderen hilft, braucht manchmal selber Hilfe' ins Leben gerufen. Es soll jungen Pflegenden helfen, Pausen einzulegen und über die eigene Situation zu sprechen. Auf der 'Pausentaste'-Website gibt es Erfahrungsberichte von Betroffenen und Antworten auf grundlegende Fragen rund um die Pflege, außerdem Hinweise auf Beratungsangebote vor Ort. Per E-Mail und Telefon (Hotline: 116 111) berät der Verein 'Nummer gegen Kummer' ratsuchende Kinder und Jugendliche, montags bis samstags jeweils von 14 bis 20 Uhr. Die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym.