Wenn Eintracht nicht mehr genügt

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

30. September 2013 - 12:48 Uhr

Die Saison in der Bundesliga ist noch jung. Für den Aufsteiger aus Braunschweig wird es aber immer düsterer. Mit nur einem Pünktchen aus den ersten sieben Spielen löste die Eintracht den FC Schalke 04 (Saison 1967/68) als schlechtesten Starter der Historie ab. Die Gründe dafür sind offensichtlich. Hoffnung gibt es nur wenig.

Mit der 0:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart erreichte die Eintracht einen neuen Tiefpunkt. Coach Torsten Lieberknecht wirkte anschließend konsterniert, angeschlagen und auf eine gewisse Weise leer. "Es sind viele Emotionen hier. Ich versuche, Lösungen zu finden, aber viele Dinge, die ich probiere fruchten nicht. Es ist normal, dass nicht nur ich ins Grübeln komme, sondern auch die Verantwortlichen. Es ist schwer, Optimismus zu versprühen", so Lieberknecht.

Auf die Frage, ob er an Rücktritt denke, antwortete er: "Das habe ich nicht gesagt, aber es ist normal, dass wir jetzt alle ins Grübeln kommen." Präsident Sebastian Ebel und Sportdirekt Marc Arnold saßen ebenfalls im Pressekonferenzraum des Eintracht-Stadions. Sie wirkten geschockt von den deutlichen Aussagen des Trainers. Am Montag folgte dann die Reaktion. "Die Rücktrittsgedanken sind sehr weit hergeholt", sagte Arnold: "Nach meinem Verständnis hat er das nicht angedeutet." Damit ist die Trainerfrage vorerst vom Tisch. Doch es bleibt die Frage, ob es überhaupt an der Person des Trainers festzumachen ist.

Die Mannschaft präsentierte sich wie schon im letzten Heimspiel zu Beginn sehr engagiert und begegnete dem VfB auf Augenhöhe. Aber die Eintracht verstand es wieder einmal nicht, die herausgespielten Chancen zu nutzen. Der Offensive fehlt es schlichtweg an Qualität. Domi Kumbela rackert unermüdlich in vorderster Front, ist den Nachweis über die Bundesligatauglichkeit aber bislang schuldig geblieben. Neuzugang Simeon Jackson hat sich noch nicht an Tempo und Gangart der Liga gewöhnt, wirkt oft wie ein Fremdkörper. Einzig Rückkehrer Karim Bellarabi scheint auf diesem Level mithalten zu können.

Ein weiteres großes Problem ist die defensive Grundordnung. Fußballtaktisch stößt die Mannschaft immer mehr an ihre Grenzen. Der als Organisator und Antreiber verpflichtete Marco Caligiuri wirkt in seiner Rolle überfordert. Das Aufbauspiel ist oft überhastet und unkonzentriert.

Zudem war gegen den VfB ein anderes Phänomen erstmals zu sehen. Nach dem 0:2-Rückstand brach Braunschweig nicht nur fußballerisch sondern auch emotional auseinander und konnte sich nicht mehr wehren. Stuttgart spielte zwar keinen berauschenden Fußball, präsentierte aber genau das, was dem Gegner fehlt: individuelle Klasse.

Man kann Torsten Lieberknecht nicht vorwerfen, dass er seine Mannschaft überhaupt nicht mehr erreicht. Es zeigt sich nur immer mehr, dass Kampfgeist und Leidenschaft allein in der Bundesliga nicht mehr ausreichen.

Hoffnung auf Besserung gibt es derzeit nicht. Die Möglichkeiten den Kader in der kommenden Transferperiode zu verstärken, sind gering. Es fehlt neben dem Geld mittlerweile auch an guten Argumenten für die Spieler, sich der Eintracht anzuschließen.

Der Traum von der Bundesliga hat sich bereits zum Albtraum entwickelt. In der kommenden Woche geht es nun zum Derby nach Wolfsburg. Sollte es erneut nicht zu einem Dreier reichen, dürften alle Verantwortlichen noch stärker ins Grübeln kommen.