Wenn dschihadistische Träume in Trümmern liegen: So holen Schleuser IS-Terroristen aus den Kriegsgebieten

11. Januar 2017 - 9:49 Uhr

Immer mehr Terroristen fliehen vor IS

Eine Zeit lang kannten europäische Islamisten nur ein Ziel: das Kalifat des IS. Tausende zog es in die Kriegsgebiete nach Syrien oder in den Irak. Nun wendet sich das Blatt. Viele wollen nicht mehr wahllos Menschen köpfen, erschießen oder verbrennen. Sie wollen so schnell wie möglich zurück nach Hause. Und da kommen die Schleuser der syrischen Stadt Rakka ins Spiel. RTL-Reporter Michael Ortmann war bei der Übergabe eines Islamisten dabei.

Wir nennen den Mann Ansar, wissen aber eigentlich nichts über ihn, nur dass er Franzose ist und vom IS die Nase voll hat. Er habe viel zu spät festgestellt, dass es beim IS nie um Religion ging, erzählt er unserem Reporterteam: "Es ging hier immer nur um Macht und Unterdrückung."

Wenn dschihadistische Träume in Trümmern liegen, suchen viele zunächst im Internet nach Wegen raus aus Syrien. Viele landen dann bei Mahmoud Ockba, einem Schleuser der syrischen demokratischen Armee. Unter Lebensgefahr verhilft er den Schergen des Kalifats zur Flucht aus dem Hexenkessel Syrien.

Übergeben werden die ausreisewilligen Kämpfer wie Ansar mal an die türkische Polizei oder an ausländische Botschaften. Schon drei Deutsche habe man aus Syrien herausgeschleust, erzählt Ockba. Mit drei weiteren sei man aktuell in Gesprächen. Hauptsächlich seien es aber Franzosen, Belgier und Türken, die sich nichts sehnlicher wünschen als die Flucht vor dem IS - auch wenn sie letztlich in den Gefängnissen ihrer Heimatländer landen. Schließlich "ist alles besser, als hier zu bleiben", sagt Ansar.