Weniger allein in der Gaming-Bar: Ein Zuhause für Zocker

Mit seiner Gaming-Kneipe will Andreas einen Ort schaffen, an dem Gamer zusammen spielen können.
Mit seiner Gaming-Kneipe will Andreas einen Ort schaffen, an dem Gamer zusammen spielen können.

25. August 2015 - 14:32 Uhr

Ein Bericht von Michelle Janetschek

Andreas Malessa hat einen Plan. Er möchte einen Ort schaffen, an dem Gamer zusammenkommen: In Austausch treten, Strategien besprechen, gemeinschaftlich eSports Turniere - elektronischer Sportturniere - gucken, gegeneinander zocken. Eine Gaming und eSports-Bar - die erste in Köln. Ein Zuhause für Gamer! "Der Reiz besteht darin, dass auch Menschen dabei sind, die sonst nichts mit Spielen am Hut haben. Außerdem sitzt keiner isoliert vom Bildschirm, sondern es ist ein gemeinsames Hobby, das in der Gruppe zelebriert wird", erklärt Andreas.

Allein in Deutschland wurden im Jahr 2014 laut Medienberichten 2,7 Milliarden Euro Umsatz mit Videospielen erzielt. Weltweit waren es 87 Milliarden Dollar. Damit hat die Gaming Industrie weltweit die Filmbranche oder die Fußball-Bundesliga hierzulande längst überholt. Trotzdem: Wer viel zockt, gilt oft als einsamer Nerd. Unverständlich, denn in Deutschland spielen nach einer Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom rund 30 Millionen ab 14 Jahren Computer- oder Videospiele. Das ist in der Altersgruppe fast jeder Zweite.

Schon 2012 spielte Andreas mit dem Gedanken einer Gaming-Bar. Da studierte er noch Jura und die Uni wollte er erst einmal beenden. Nebenbei organisiert er Events, auf denen Live-Übertragungen von Gaming-Turnieren laufen. In verschiedenen Bars in Köln, meistens aber im Coellner und das mit Erfolg. An einem Abend kommen bis zu 100 Spielfreudige zusammen. Zu Gamescom Zeiten sogar bis zu 200.

Doch als Dauerlösung entpuppt sich das Coellner nicht. Gewisse Spiele, wie etwa Counterstrike können nicht angeschaut werden. "Da haben sich andere Gäste beschwert - wegen der Gewalt und der angeblichen Gefahr von Killerspielen. Das ist natürlich schade", sagt Andreas. Außerdem ist der Aufwand groß, Social Media Kampagnen, Flyer und Aufbau - all das kostet Zeit - ist eigentlich ein Vollzeitjob. Nur Leben konnte Andreas davon bisher nicht.

Nun ist Andreas fertig mit seinem Studium und will sich seinen Traum erfüllen. Doch so einfach lässt sich die Idee der Gaming-Kneipe nicht umsetzen. Andreas brauchte einen Laden und um den zu kaufen einen Kredit. Aber die meisten Banken wollen nicht so recht an das Konzept der Gaming-Kneipe glauben, obwohl die Industrie boomt.

Hartnäckige Klischees von einsamen pickligen Nerds

Andreas Malessa hofft auf den Erfolg seiner Cowdfunding-Kampagne.
Andreas hofft auf den Erfolg seiner Cowdfunding-Kampagne.

Und die Klischees gegen Gamer halten sich hartnäckig: "Das Bild des pickligen einsamen Jungen kommt noch aus den 90ern", meint Andreas. Dennoch: wenig attraktiv für Banker. Dabei sind Gamer feierwütig - eine bunt gemischte Truppe! Auch Frauen fassen Fuß in der Szene. "Meine Ex-Freundin habe ich auch bei einem unserer Events kennengelernt", erzählt Andreas.

"Es gibt Buchclubs, Filmclubs, Kochkurse. Man trifft sich auch in der Bar, um gemeinsam Fußball zu gucken. Nur die Gamer haben keinen gemeinsamen Ort, an dem man wirklich zusammen spielt." Dabei sind sie, findet Andreas, die perfekte Zielgruppe: jung, vernetzt und willens, Geld für ihr Hobby auszugeben. Und trinkfreudig sind sie auch, das zeigt der Umsatz im Coellner.

Um sich nicht auf skeptische Bankangestellte zu verlassen, startete Andreas pünktlich zur Gamescom deshalb ein Crowdfunding Projekt. Die Spenden steigen – neulich kamen sogar Beträge aus der Schweiz und Israel. In der Community, so ist sich Andreas sicher, stößt das Projekt auf große Resonanz. Auch wenn die 25.000 Euro zusammenkommen, bleibt es eine große Investition. "Wenn ich es jetzt nicht ausprobieren würde, dann würde ich mich mein Leben lang ärgern", erklärt er.

Sollte die Bar-Idee scheitern, wird Andreas den Spendern das Geld zurückzahlen: "Ein schönes Leben mache ich mir davon dann natürlich nicht." Doch er ist optimistisch und hofft, dass alles seinen Gang nehmen wird. Selbst gespielt hat er zwischen Bankterminen, Gesprächen mit seinem Anwalt, Organisation der Bar Events und Ladensuche schon länger nicht mehr.