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Wende im Kachelmann-Prozess?

Wende im Kachelmann-Prozess?

Jörg Kachelmann auf dem Weg zum Gericht
Jörg Kachelmann auf dem Weg zum Gericht
dpa, Ronald Wittek

Gibt es eine Wende im Kachelmann-Prozess? Die Spuren am angeblichen Tatmesser belasten Jörg Kachelmann nicht. Das ergab die Vernehmung eines Sachverständigen des Landeskriminalamts Baden-Württemberg am Montag vor dem Landgericht Mannheim. Dem Fernsehmoderator wird vorgeworfen, er habe seine langjährige Geliebte vergewaltigt. Dabei soll er ihr ein Küchenmesser an den Hals gedrückt haben. Eindeutige DNA-Spuren Kachelmanns auf dem Messer finden sich jedoch nicht, so der Gutachter.

Auch scheinen die Untersuchungsergebnisse an der Messerklinge nicht zu dem angeblichen Tatablauf zu passen: Nach den Schilderungen der Nebenklägerin soll Kachelmann sie mit dem Messer am Hals von der Küche ins Schlafzimmer gezerrt haben. Während der gesamten Vergewaltigung habe er ihr den Messerrücken an den Hals gedrückt. Sie hatte nach der angeblichen Tat Schürfverletzungen am Hals.

Doch weder an der Messerspitze noch am Rücken der Klinge finden sich jedoch überhaupt nachweisbare DNA-Spuren, also auch nicht solche des mutmaßlichen Opfers. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass mit dem Rücken oder der Spitze Verletzungen herbeigeführt wurden", so der LKA-Experte Gerhard Bäßler.

Zunächst meinte Bäßler, mögliche Spuren könnten beim Einpacken des Messers in eine Plastiktüte verloren gegangen sein. Dann jedoch kam ein entlastender Hinweis von unerwarteter Seite: Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge wies darauf hin, dass das Messer bei der Spurensicherung in einen speziellen Karton verpackt und mit sterilem Kabelbinder fixiert worden war. "Dann können wir das Thema Spurenverlust vernachlässigen", sagte Bäßler.

Prozess geht heute weiter - und dann in die Winterpause

Zwar waren am Griff des Messers Spuren nachweisbar, hierbei handelte es sich jedoch um "Mischspuren", die Kachelmann nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Auch sei nicht auszuschließen, dass eine "Spurenübertragung" stattgefunden - also das Opfer winzige Hautpartikel ihres Ex-Geliebten auf das Messer übertragen hat.

Der Prozess wird heute fortgesetzt. Zwei Polizeibeamte, die das mutmaßliche Opfer direkt nach der angeblichen Tat vernommen hatten, sollen heute aussagen. Hierbei wird es voraussichtlich darum gehen, inwieweit die damaligen Angaben mit der Aussage der 37-Jährigen vor Gericht übereinstimmen.

Weiterhin steht die Entscheidung des Gerichts über zwei Anträge der Verteidigung aus: Den Antrag auf Durchsuchung der Redaktionen von 'Bunte' und 'Focus' und der Antrag auf Ablehnung der psychologischen Gutachterin Luise Greuel wegen Befangenheit. Nach der Winterpause soll der Prozess am 19. Januar 2011 fortgesetzt werden.