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Wende im Höxter-Prozess? - "Er ist überzeugt davon, freigesprochen zu werden"

Angeklagter Wilfried W.
Kommen Wilfried und Angelika W. doch mit einer geringeren Strafe davon als gedacht? © dpa, Guido Kirchner, gki tba wie

Wende im Höxter-Prozess?

Kommen Wilfried und Angelika W. doch mit einer milderen Strafe davon als gedacht? Im Mordprozess um das 'Horrorhaus' von Höxter bewertet die Staatsanwaltschaft einige der Beweise neu. Bei einer der Frauen, die im Haus des Ex-Ehepaares ums Leben kam, können die Ermittler den Angeklagten keinen Mord durch Unterlassung nachweisen. Das könnte deutliche Auswirkungen auf das Urteil haben.

Susanne F. starb durch ein Schädelhirntrauma, das sie sich vermutlich bei einem Sturz zugezogen hat – zu diesem Ergebnis kam ein Gutachter, der die Obduktionsergebnisse vor Gericht vorstellte. Für Laien sei äußerlich nicht erkennbar gewesen, dass die Frau sofort in ein Krankenhaus gemusst hätte. Nur wenn Wilfried und Angelika W. den Ernst der Lage erkannt und trotzdem nicht gehandelt hätten, wäre die Tat juristisch gesehen als Mord durch Unterlassen zu werten.

Wilfried W. glaubt an Freispruch

Der Oberstaatsanwalt Ralf Meyer erklärte, dass er nach dem Gutachten nur noch von versuchtem Mord durch Unterlassen ausgeht. Das könne am Ende unter Umständen zu einer milderen Strafe führen, erklärte er, zwingend sei das aber nicht.

Der Angeklagte Wilfried W. selbst sieht seine Situation offenbar noch optimistischer: "Er ist überzeugt davon, freigesprochen zu werden", sagte ein früherer Zellengenosse des 47-Jährigen, der als Zeuge vor Gericht geladen war. Ob es wirklich dazu kommt, ist jedoch fraglich. Denn das Paar muss sich außerdem noch für den Tod einer weiteren Frau verantworten.

Susanne F. hatte war übersäht mit Folterspuren

Auch das, was ansonsten noch im Obduktionsbericht stand, wirft kein gutes Licht auf die beiden. Susanne F. starb zwar durch das Schädelhirntrauma, aber ihr Körper war übersäht mit Spuren der Quälereien, die sie über Monate hinweg durchmachen musste. Sie war zwar nicht unterernährt, dafür aber unterkühlt und hatte überall blaue Flecken, Schürfwunden und Fesselspuren. In der letzten Phase ihres Lebens hat sich das Opfer offenbar auch selbst Verletzungen zugefügt. Susanne F. war offenbar extrem geschwächt, aber – bis es zu der Kopfverletzung kam – nicht in Lebensgefahr.

Wilfried und Angelika W. sollen mehrere Frauen über Kontaktanzeigen in ihr Haus gelockt haben. Dort wurden die Opfer dann gefangen gehalten und schwer misshandelt – zwei überlebten das Martyrium nicht. Wilfried und Angelika W. schieben sich gegenseitig die Verantwortung dafür zu. Der Angeklagte erklärte, dass seine Ex-Frau die Frauen gequält habe, die 48-Jährige gibt an, von ihm dazu gezwungen worden zu sein.

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