Wende im Fall Pistorius: Schwere Vorwürfe gegen Chef-Ermittler

15. April 2014 - 18:09 Uhr

Polizei-Offizier rückt ins Visier

Die Mordermittlungen gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius nehmen eine überraschende Wende: Während der erbitterte Streit um die mögliche Freilassung des mordverdächtigen Athleten auf Kaution fortgesetzt wird, steht Hilton Botha, der leitende Polizeiermittler in diesem Fall, unter dem Verdacht des versuchten Mordes. Gegen ihn wird wegen siebenfachen versuchten Mordes ermittelt.

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Noch immer tobt ein erbitterter Streit um die mögliche Freilassung von Paralympics-Star Oscar Pistorius auf Kaution.
© Reuters, SIPHIWE SIBEKO

Dabei geht es um einen Vorfall aus dem Jahr 2009, als der Polizeioffizier auf einen Kleinbus mit sieben Insassen schoss, um ihn am Weiterfahren zu hindern. Zwar sei der Fall zwischenzeitlich fallengelassen worden, er werde nun aber wieder aufgenommen.

Botha reagierte überrascht auf die Wiederaufnahme des Falles. "Ich verstehe nicht, warum der Fall wieder aufgenommen wurde. Ich kann mir nur vorstellen, dass es etwas mit meiner Arbeit (im Fall) Oscar Pistorius zu tun hat", sagte Botha dem Fernsehsender eNCA.

Erbitterter Streit um mögliche Freilassung

Botha spielte gestern, am zweiten Tag der Gerichtsanhörung im Fall Pistorius, eine zentrale Rolle. Vor dem Magistratsgericht in der südafrikanischen Hauptstadt wandte er sich wie die Staatsanwaltschaft entschieden gegen eine Freilassung von Pistorius auf Kaution. Es bestehe Fluchtgefahr, meinte er. Schließlich drohe dem 26-Jährigen bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich. Pistorius besitze ausländische Konten und eine Immobilie in Italien.

Heute soll die ungewöhnlich lange Anhörung vor dem Gericht in Pretoria fortgesetzt werden. Polizei und Staatsanwalt lehnen eine Freilassung wegen Fluchtgefahr weiterhin ab. Die Verteidigung glaubt, dass es schon alleine wegen mancher Ermittlungsmängel keine Belege für einen "vorsätzlichen Mord" gebe.

Der beinamputierte Profisportler wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, am Donnerstag vergangener Woche seine Freundin Reeva Steenkamp (29) vorsätzlich ermordet zu haben. Der 26-Jährige sagt, er habe seine Freundin aus Versehen erschossen, weil er glaubte, im Badezimmer befände sich ein Einbrecher.

Dem widerspricht die Staatsanwaltschaft: Pistorius habe Steenkamp geplant und gezielt ermordet. Vor den tödlichen Schüssen habe es einen Streit zwischen dem Paar gegeben. Polizeioffizier Botha berichtete von Zeugen, die vor den Schüssen Licht im Haus von Pistorius gesehen und zudem "unablässiges Geschrei" und einen lautstarken Streit gehört haben wollen.