Wende im Atompoker: Warum Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seine Atom- und Raketentests stoppt

Kim Jong Un hat die Atom- und Raketentests seines Landes ausgesetzt,
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21. April 2018 - 11:13 Uhr

Gute Grundlage für Treffen mit Trump

Damit hat wohl kaum jemand gerechnet: Nordkoreas Machthaber will seine Atom- und Raketentests auf Eis legen. Die Ankündigung ist eine gute Grundlage für mögliche Fortschritte bei den nahenden Gipfeln. Die atomare Bedrohung bleibt aber Kims wichtigstes Faustpfand.

Kim Jong Un verkündet den "großen Sieg"

Jetzt müssen wir nicht mehr testen, weil wir längst eine Atomstreitmacht aufgebaut haben. So ließe sich die Botschaft von Kim Jong Un zusammenfassen. Nordkoreas Machthaber will sich nunmehr auf den wirtschaftlichen Aufbau seines armen, unter strengen Sanktionen leidenden Landes konzentrieren. Die überraschende Abkehr von seinen jahrelangen Provokationen mit Atomwaffen- und Raketenversuchen weckt Hoffnungen auf eine atomare Abrüstung, aber aufgeben will Kim seine Atomwaffen und Raketen keineswegs. Er verkündet vielmehr den "großen Sieg", Nordkorea in kurzer Zeit zur Atommacht entwickelt zu haben.

Trotzdem ist seine Ankündigung, die Versuche mit Atomwaffen und Raketen auf Eis zu legen, ein wichtiger, erster Schritt. Er ebnet den Weg für die historischen Gipfeltreffen des Machthabers mit Südkoreas Präsident Moon Jae In und US-Präsident Donald Trump. Es ist sogar mehr, als sich letztere bisher erhoffen konnten. Moon und Trump sprachen denn auch umgehend von einer guten Grundlage für ihre Begegnungen mit dem jungen nordkoreanischen Führer, der zum Auftakt am Freitag erstmals mit Südkoreas Präsident im Grenzort Panmunjon zusammentreffen wird.

Trump dürfte sich bestätigt fühlen

U.S. President Donald Trump arrives at Naval Air Station Key West for a visit to the Joint Interagency Task Force South (JIATF South) federal anti-smuggling and anti-drug trafficking agency in Key West, Florida, U.S. April 19, 2018.  REUTERS/Kevin La
Dürfte sich in seinem Kurs bestätigt fühlen: US-Präsident Donald Trump
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Trump wird Kims Ankündigung in den ihm eigenen Kategorien als geradezu monumentale Bestätigung seines eigenen Kurses sehen. Die Kampagne des "maximalen Drucks", all seine Beschimpfungen des Gegenübers in Pjöngjang und die zur Schau getragene Härte - sollte sich das tatsächlich auszahlen? Die Nachricht aus Nordkorea war kaum in der Welt, da reagierte der US-Präsident schon auf Twitter: Ein großer Fortschritt sei das, für Nordkorea und für die Welt, er freue sich auf den Gipfel mit Kim.

Nordkoreas starkem Mann ist nach seiner überraschenden Annäherung gegenüber Südkorea seit Jahresanfang, der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang und dem Besuch beim großen Nachbarn China ein weiterer Coup gelungen. Im Gegenzug könnte er wirtschaftliche Unterstützung fordern, um sein isoliertes Land voranzubringen.

Korea-Experte Jin Qiangyi, chinesischer Professor von der Yanbian Universität an der Grenze zu Nordkorea, sagt aber auch: Wenn die Gespräche mit den USA scheitern, die Sanktionen und der militärische Druck verschärft wird, könnte Kim die Tests auch wieder aufnehmen.