Weltkriegsbomben auf eigenem Grundstück: Rentnerin muss 200.000 Euro für Entschärfung zahlen

23. März 2017 - 14:33 Uhr

Grundstück-Eigentümerin für Entsorgung verantwortlich

Fast 72 Jahre sind her, seitdem der Zweite Weltkrieg beendet ist. Doch noch immer sind bundesweit zigtausende Blindgänger vergraben. Einige Bomben und Granate befinden sich auf dem Grundstück von Melitta Meinberger in München-Freimann. Die 72-Jährige muss möglicherweise bis zu 200.000 Euro zahlen, damit diese entschärft werden. Nach einem Gesetz von 1950 ist sie nämlich für die Entsorgung der russischen Munition verantwortlich.

Chemische Reaktion nicht voraussehbar

Polizisten bringen an einem Weg im Stadtteil Freimann in München ein Absperrgitter an.
Nach dem Fund von gefährlichem Phosphor in München-Freimann dürfen rund 200 Anwohner für zehn Tage nicht mehr in ihre Häuser.
© dpa, Andreas Gebert, geb

Melitta Meinberger lebt seit Jahrzehnten auf einem Sprengstoffarsenal. Etwa zehn Tonnen Sprengstoff schlummern im Boden. Deshalb müssen 200 Anwohner im Umkreis von 100 Metern ihre Häuser räumen - für mindestens zehn Tage. Die Bergung ist extrem gefährlich. "Wenn die Granaten so lange im Boden liegen, ist es noch gefährlicher als zum Zeitpunkt der Herstellung, weil man die chemische Reaktion bei den Stoffen nicht voraussehen kann", sagt Kampfmittelbeseitiger Bernhard Scho.

"Wir ziehen uns da nicht aus der Verantwortung"

Ein Bagger steht vor einem Haus im Stadtteil Freimann in München, in dessen Garten große Mengen an Sprengstoff gefunden wurden.
Ein Bagger steht vor dem Haus von Melitta Meinberger, in dessen Garten große Mengen an Sprengstoff gefunden wurden.
© dpa, Andreas Gebert, geb htf

Abtransport und Vernichtung der Kampfmittel übernimmt der Staat. Meinberger muss für die Arbeiten vor Ort aufkommen. Die Rentnerin ist wütend und enttäuscht. Doch für die Stadt München ist der Fall klar: "Wir ziehen uns da nicht aus der Verantwortung, sondern folgen der Rechtslage. Sie muss dafür sorgen, dass keine Gefahren von ihrem Grundstück ausgehen, und sie muss auch finanziell dafür aufkommen", so Thomas Böhle aus der Verwaltung.

Da möglicherweise sogar Munition im Fundament einbetoniert ist, muss das Haus vielleicht noch gegen Einsturz abgesichert werden. Es könnten also sogar noch mehr Kosten auf die 72-Jährige zukommen.