Studie der UN-Entwicklungsagentur UNDP

Neun von zehn Menschen haben Vorurteile gegen Frauen

08. März 2020 - 7:07 Uhr

Weltweit steht es um die Gleichberechtigung schlecht

Sie studieren, sie führen Firmen, sie machen Politik: Frauen gehören heute ganz selbstverständlich überall dorthin, wo es früher ausschließlich Männer gab - zumindest in Deutschland. Weltweit zeigt sich nach Jahrzehnten der Gleichstellungspolitik allerdings ein anderes Bild. Einer Analyse der UN-Entwicklungsagentur UNDP zufolge haben neun von zehn Menschen nach wie vor sexistische Vorurteile gegen Frauen. Und die beziehen sich vor allem auf angebliche weibliche Defizite. Vorurteile, Ausgrenzug und Gewalt - das Ausmaß der Benachteiligung sehen Sie im Video.

Jeder vierte findet: Frauen schlagen ist ok

Die größte Voreingenommenheit gibt es unter den Ländern des Index' in Pakistan, Katar, Nigeria, Simbabwe und Jordanien.

Die Länder mit der geringsten Anzahl an Menschen mit sexistischen Vorurteilen waren Andorra, Schweden, die Niederlande, Norwegen und Neuseeland. Wer sich nun fragt, wie die Deutschen in dieser Studie abschneiden: zumindest deutlich besser als der Durchschnitt. Trotzdem sind zwei von drei befragten Bundesbürgern in mindestens einem Feld voreingenommen. Erwartungsgemäß schneiden die Frauen mit 55 Prozent etwas besser ab als die Männer (70 Prozent).

Noch immer sind wenige Frauen in den Parlamenten vertreten

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Nur zehn von 193 Ländern werden von einer Frau geführt; zumindest in dieser Hinsicht ist Deutschland spitze.
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Der Bericht machte dabei auch noch einen weiteren Trend aus. Zwar sei in gewissen Bereichen eine Angleichung gelungen, doch in Spitzenpositionen dominierten weiterhin die Männer. Dies sehe man etwa beim noch immer recht niedrigen Anteil von Frauen in Parlamenten. Dieser sei relativ gesehen jedoch deutlich größer als die Zahl von Frauen als Regierungschefs - nur zehn von 193 Ländern würden von einer Frau geführt; zumindest in dieser Hinsicht ist Deutschland spitze.

Das Fazit der Studienleiter fällt entsprechend durchwachsen aus: Zwar sei in vielen Bereichen einiges bei der Gleichstellung erreicht worden, so der verantwortliche UNDP-Mitarbeiter Pedro Conceição, trotzdem seien geschlechtsspezifische Unterschiede oftmals aber noch allzu offensichtlich.