Weltbank: Euro-Zone droht heftiger Absturz

Düstere Weltbank-Prognose: Euro-Zone droht heftiger Absturz
Düstere Weltbank-Prognose: Euro-Zone droht heftiger Absturz
© dpa, Rainer Jensen

10. Februar 2016 - 12:39 Uhr

Wird es noch schlimmer als 2008?

Es geht abwärts: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) stuft beinahe wie im Rausch Euroländer und auch deren Rettungsschirm ab, von den 20 Ländern der Euro-Zone besitzt nicht mal mehr eine Handvoll Länder bei allen drei großen Ratingagenturen die Bestnote.

Und selbst die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, musste sich demütigen lassen, eine Abstufung durch S&P hinnehmen und sich sogar von China wegen der hohen Schulden rüffeln lassen. Man muss also nicht mal die kleinen von drückenden Schulden geplagten Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien als Beispiel für einen Abschwung bemühen. Es fängt – so sagt es zumindest S&P – direkt neben unserer ebenfalls nicht ganz schuldenfreien Haustür an, bei den Franzosen, die gerade letzte Woche den Verlust ihrer Top-Bonität erlitten.

Die Zeiten sind so trübe, dass die Weltbank in ihrem jüngsten Wachstumsausblick ein sehr düsteres Bild von der globalen Konjunktur malt: Es wird schlimm. Schlimmer als man denkt und schlimmer als es vor knapp dreieinhalb Jahren nach der Lehman-Pleite war: Schwaches Wachstum weltweit, der Eurozone droht gar die Rezession und selbst die sonst so bärenstärken Schwellenländer lassen Federn. Es droht also der gesamten Weltwirtschaft der Absturz.

S&P: 'AAA' ist Deutschland sicher

Die Wachstumszahlen wurden zwar im Vergleich zum letzten Bericht stark nach unten korrigiert, trotzdem ist es laut Weltbank noch nicht einmal sicher, ob sie wirklich erreicht werden können.

Zwar seien die unmittelbaren Gefahren durch die Maßnahmen in der Eurozone - etwa durch den Rettungsschirm EFSF und die Interventionen der Europäischen Zentralbank - zunächst gebannt. Sollte weiteren Ländern Zugang zu Kapital verwehrt werden, sei nicht auszuschließen, dass eine weit schwerere Finanzkrise Banken und Finanzinstitutionen auf beiden Seiten des Atlantiks erfasst. "Das würde die Welt in eine Rezession stürzen, die genauso groß oder sogar größer sein könnte die der Jahre 2008/09."

Schlimmer noch: Weil Industrie- und Schwellenländer zahlreiche Gegenmittel schon in der vorangegangenen Krise ausgeschöpft hätten, dürfte die Welt sich von einem neuerlichen Absturz nicht so schnell erholen wie zuvor. Die Finanzen sowohl reicher wie armer Staaten sind gebeutelt, und in den Industrienationen könnten die Zentralbanken nicht mehr so kräftig gegensteuern wie 2008/09.

Positive Nachrichten für Deutschland gibt es von S&P. Das Top-Rating von 'AAA' ist wohl gesichert. S&P Europachef Moritz Krämer sagte der 'Bild'-Zeitung, man sei zwar auch der Meinung, dass "eine Verschärfung der Krise schon bald nicht mehr auszuschließen" wäre, Krämer glaubt aber, "dass sich Deutschland in einer vergleichsweise starken Position befindet und auch eine mögliche Rezession in diesem Jahr ohne Herabstufung überstehen sollte".

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht die Gefahr einer Rezession für Deutschland allerdings nicht. Es wird zwar keine Boomjahre wie 2010 und 2011 geben, dennoch wird die voraussichtlich Wirtschaft um 0,7 Prozent wachsen. Das geht aus dem neuen Jahreswirtschaftsbericht hervor, den Rösler vorlegte.