Weltartenschutzkonferenz: Das Ergebnis wird gefeiert - sogar von Artenschützern

06. Oktober 2016 - 12:39 Uhr

17. Weltartenschutzkonferenz beendet

Vom Türkisenen Zwerggecko aus Tansania, der Krokodilschwanzechse aus China bis hin zum afrikanischen Graupapagei – sie haben nun alle eines gemeinsam:  Eine höhere Schutzstufe im Artenschutz. Ein weltweites Handelsverbot. Ein Hoffnungsschimmer. Für Tausende Tierarten unserer Erde hat die Schicksalsstunde geschlagen. Laut Weltnaturschutzunion sind 23.928 Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Tierschützer weltweit richteten daher ihre Hoffnung aufs südafrikanische Johannesburg, wo nun die Weltartenschutzkonferenz (CITES) beendet wurde. Mit Erfolgen.

Tierschützer bewerten Beschlüsse als positiv

Elf Tage lang trafen sich Vertreter aus 183 Ländern in Johannesburg, tagten über Regeln für den Handel mit gefährdeten Arten, über Schutzstufen und hunderte Anträge. Das Ergebnis: Der Schutz für mehrere bedrohte Tierarten wurde beschlossen. Unter anderem erhielten 55 Reptilienarten eine höhere Schutzstufe, der Handel mit einigen Holzarten wurde erschwert und der Handel diverser Tierarten verboten, z.B. der des Schuppentiers, der Teufelsrochen, der Berberaffen oder des afrikanische Graupapageis.

Er steht als Paradebeispiel für gefährdete Tiere, die als Haustiere besonders beliebt sind. Wegen ihrer hohen Intelligenz wurden offiziellen Schätzungen zufolge seit den Siebzigern 1,3 Millionen Graupapageien in der Wildnis gefangen und exportiert. Damit ist jetzt Schluss.

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Emotionale Debatte um Elefanten

Eine gute und eine schlechte Nachricht gab es auf der Konferenz für die Elefanten. Elfenbein darf nun auch national nicht mehr gehandelt werden. "Die Entscheidung ist ein Riesenschritt für einen besseren Elefantenschutz", sagte WWF-Artenschutzexperte Arnulf Köhncke. "Gerade auf schlecht kontrollierten legalen Märkten findet sich immer wieder gewildertes und damit illegales Elfenbein". Alle 15 Minuten wird in Afrika ein Elefant wegen seiner Stoßzähne getötet. Erst am Wochenende wurden am Flughafen der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi 300 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt. Auch in Deutschland sind die Schmuggler am Werk: Bei einem Doppelfund im September wurden in Rheinland-Pfalz und Potsdam 1,2 Tonnen Elfenbein sichergestellt, unter anderem verarbeitet in Schmuckdosen und Salatbesteck.

International besteht seit der Artenschutzkonferenz 1989 schon ein Handelsverbot für Elfenbein. Dies wollten die Staaten Namibia und Simbabwe per Antrag in Johannesburg lockern, beschlossen wurde allerdings eine Verschärfung des nationalen Verbots. Als ein Rückschlag empfanden Tierschützer für den Elefanten allerdings, dass die Dickhäuter nicht die erhoffte Hochstufung in den höchsten Schutzstatus erhielten. Der WWF gibt sich trotzdem zufrieden.

"Die Hochstufung wäre ein Pyrrhussieg für die Elefanten gewesen", meint Arnulf Köhncke, Artenschutzreferent des WWFs Deutschland. "Einerseits ist der Handel mit Elfenbein […] schon heute durch eine Zusatzvereinbarung verboten. Der Nutzen hätte sich somit auf die Symbolik beschränkt. Hinzu kommt, dass die betroffenen Länder einen nationalen Vorbehalt gegen die Hochstufung hätten geltend machen können, wovon zumindest Namibia laut eigener Ankündigung Gebrauch gemacht hätte. Hierdurch wäre der Handel dieser Länder legalisiert und letztlich das Gegenteil des Gewollten eingetreten. Die Entscheidung für den Status-quo ist daher ein Sieg für die Elefanten".

Mehr Augenmerk auf Schutz von Reptilien

reptilienarzt karbe chamleon
Seit der Weltartenschutzkonferenz 2016 sind nun alle Chamäleons international geschützt.

Gelobt wurden außerdem die Beschlüsse zu den Reptilien. Die Tierschutzorgansation Pro Wildlife betonte, dass wenn es bei den Konferenzen um Reptilien ging, oft asiatische Fleischmärkte im Fokus standen. Nun wurde endlich auch die fatale Rolle des Heimtierhandels angegangen. Die EU würde sich hier ihrer großen Verantwortung stellen. "Reptilien werden leider wenig beachtet, aber viele von ihnen stehen am Rand der Ausrottung und der Handel mit ihnen muss gestoppt werden", sagte eine Sprecherin der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. "Das Ergebnis hier ist deshalb großartig."

Hintergrund der Konferenz ist das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das seit 1973 den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten reguliert. Die nächste Weltartenschutzkonferenz wird in drei Jahren in Sri Lanka stattfinden. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass sich nicht nur die Bestände der Krokodilschwanzechse aus China oder des afrikanischen Graupapageis ansatzweise erholen, sondern die tausender Tier- und Pflanzenarten unserer Erde.

Reportagen

Zeitgleich zur Weltartenschutzkonferenz ist unsere Auslandskorrespondentin Nicole Macheroux-Denault ins afrikanische Malawi gereist, um bei der größten Elefanten-Umsiedlung, die es je gab, dabei zu sein. In ihrer Reportage zeigt sie den aufwändigen Umzug von 500 Dickhäutern (siehe oben).

In der zweiten Reportage widmet sich unsere Korrespondentin den Blut-Löwen von Südafrika. Dabei geht es nicht um frei lebende Raubkatzen, sondern um gezüchtete Löwen. Sie sollen wohlhabenden Touristen vor die Flinte laufen. Ein Riesengeschäft.