Kampagne #wissenverdoppeln

Welt-Aids-Tag: Über 10.000 HIV-Infizierte wissen nicht von ihrer Erkrankung

© dpa/dpaweb, A3446 Patrick Seeger

1. Dezember 2019 - 10:01 Uhr

HIV ist unter Therapie nicht übertragbar

#wissenverdoppeln lautet das Motto der Deutschen Aidshilfe (DAH) zum diesjährigen Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Alle sollen wissen: HIV ist unter Therapie nicht übertragbar. Das Motto soll helfen Ängste zu nehmen und damit Ausgrenzung entgegenzuwirken.

Immer weniger HIV-Neuinfektionen

Im vergangenen Jahr haben sich laut Robert Koch-Institut (RKI) weniger Menschen in Deutschland mit HIV angesteckt. Nach einer Schätzung liege die Zahl der Neuinfektionen bundesweit bei 2.400, das seien hundert Fälle weniger als im Jahr zuvor, so das RKI. Die Zahlen werden jährlich neu errechnet, da HIV oftmals erst Jahre nach der Ansteckung diagnostiziert wird. Sie sind nicht zu verwechseln mit den tatsächlich gemeldeten Neudiagnosen.

Der Trend kommt aus der wichtigsten Betroffenengruppe: Bei homo- und bisexuellen Männern sei die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen seit 2012 um gut ein Viertel auf nun 1.600 zurückgegangen. Wahrscheinlich liege dies in erster Linie an gesteigerter Testbereitschaft und einer Ausweitung der Testangebote. Auch die Empfehlung, sofort mit einer Behandlung zu beginnen, habe offenbar zu dem Erfolg beigetragen.

Über 10.000 HIV-Infizierte wissen nicht von ihrer Erkrankung

Insgesamt geht das Institut von fast 88.000 HIV-Infizierten in Deutschland aus. Schätzungsweise mehr als 10.000 von ihnen wissen aber noch nichts davon. Dadurch könne das Virus unbeabsichtigt weitergegeben werden. Auch die Sterblichkeit sei bei späten Diagnosen höher. 2018 starben nach RKI-Angaben schätzungsweise 440 Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion, seit Beginn der Epidemie in den 1980er Jahren rund 29.000.

"Mit HIV kann man heute bei rechtzeitiger Diagnose leben wie alle anderen Menschen", erklärte die Deutsche Aidshilfe. Die Organisation nimmt an, dass auch die HIV-Vorbeugung mit Medikamenten (sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe, kurz PrEP) wahrscheinlich mit zum Rückgang der Neuinfektionen beigetragen hat.

Diese sei seit Herbst 2017 zu erschwinglichen Preisen erhältlich, seit 1. September übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die PrEP-Kosten. Das RKI hält hingegen noch weitere Analysen für nötig, um den Einfluss der PrEP zu beurteilen. Bei der PrEP nehmen HIV-negative Menschen ein Medikament ein, um sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen.