Welt-Aids-Tag: Mehr Infizierte in Deutschland

1. Dezember 2012 - 19:23 Uhr

2012 starben 550 Menschen in Deutschland an Aids

Am Welt-Aids-Tag wird überall auf der Erde auf die Krankheit aufmerksam gemacht. Früher verbreitete die Immunschwäche-Krankheit Angst und Schrecken. Heute gibt es viele gute Nachrichten, doch noch immer leiden zu viele Menschen.

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Überall auf der Welt wird auf Aids aufmerksam gemacht. In Deutschland leben etwa 78.000 Menschen mit dem Aidserreger HIV.
© dpa, Francis R. Malasig

In Deutschland leben rund 78.000 Menschen mit dem Aidserreger HIV und damit etwas mehr als im Vorjahr. 14.000 von ihnen wissen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nichts davon. Die Zahl ist ein Schätzwert.

Die Wissenschaftler berechnen sie unter anderem aus der Zahl der Neudiagnosen. Zwischen Infektion und Diagnose liegen manchmal viele Jahre, in denen die Betroffenen das Virus unbemerkt in sich tragen.

Im gesamten Jahr 2012 gibt es in Deutschland schätzungsweise 3.400 neue Infektionen, teilte das Institut mit. Im Vorjahr sind es etwa 3.300 gewesen. In den vergangenen Jahren wurde die Gruppe der in Deutschland mit HIV lebenden Menschen stetig größer. Das liegt laut RKI daran, dass die Zahl der Todesfälle wegen der immer wirksameren Therapien durchschnittlich niedriger ist als die der Neuinfektionen. 2012 starben in Deutschland etwa 550 Menschen an Aids.

Infizierten droht sozialer Abstieg

Etwa 50.000 Menschen bekommen in Deutschland eine HIV-Therapie. Die übrigen 14.000 Infizierten, die nicht therapiert werden, lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: Einige sind noch nicht behandlungsbedürftig, sagt Osamah Hamouda vom RKI. Erst ab einem bestimmten Schweregrad der Infektion ist eine Therapie wirkungsvoll. Andere wollen sich aus persönlichen Gründen nicht behandeln lassen. Ein Grund dafür sind die teils schweren Nebenwirkungen der Therapie.

Rund zwei Drittel (51.000) der mit HIV lebenden Menschen in Deutschland sind Männer, die Sex mit Männern haben. Sie stellen somit weiterhin die größte betroffene Gruppe in Deutschland dar.

Angesichts der neuen Zahlen weist die Deutsche Aids-Stiftung darauf hin, dass mit HIV infizierte Menschen vom sozialen und materiellen Abstieg bedroht sind. Eine Therapie könnte ihre Lebenszeit um Jahrzehnte verlängern. Die Deutsche Aids-Hilfe fordert, dass Krankenkassen die Kosten für regelmäßige Checks auf alle sexuell übertragbaren Krankheiten übernehmen. Bislang ist das nur dann der Fall, wenn es bereits erste Anzeichen für eine Erkrankung gibt. Solche regelmäßigen Checks sind auch sinnvoll, weil einige dieser Krankheiten auch die HIV-Infektion begünstigen.