News
Aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Videos

Welche Fragen bleiben nach dem NSU-Prozess offen?

Diese Fragen zum NSU-Prozess sind noch offen
Diese Fragen zum NSU-Prozess sind noch offen Trotz des Urteils darf kein Schlussstrich gezogen werden 01:47

Details weiter im Unklaren

Auch nach 437 Verhandlungstage in über fünf Jahren gibt es im NSU-Prozess offene Fragen. Zwar hat das Münchner Oberlandesgericht am Mittwoch das Urteil gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte verkündet, doch viele Details bleiben im Unklaren. Woher hatten die NSU-Terroristen die Adressen möglicher Anschlagsziele, woher stammten die zahlreichen Schusswaffen? Wer gehörte außer Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU)?

Anderes Motiv beim letzten NSU-Mord?

ARCHIV - Die Bundesanwaltschaft zeigt am 01.12.2011 im Dienstgebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Waffen die bei den Ermittlungen gegen die terroristische Vereinigung «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) gefunden wurden.
Die Waffe vom Typ "Ceska" die der Mordserie ihren Namen gab. © dpa, Franziska Kraufmann

Erst 2007 endete die Mordserie des NSU, das letzte Opfer war die Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter. Doch warum traf es die Beamtin? Bis zu ihrer Ermordung hatten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ausschließlich Menschen mit türkischen oder griechischen Wurzeln getötet. Sie allen waren Betreiber oder Mitarbeiter von Ladengeschäften.

Michèle Kiesewetter bildet die einzige Ausnahme. Wollten die Täter den Staat und seine Repräsentanten durch den Mord angreifen? Beate Zschäpe gab im Prozess zu Protokoll, dass es Mundlos und Böhnhardt nur um die Waffen der Polizistin gegangen sein. Abschließend geklärt wurde das Motiv nicht.

Alle rassistisch motivierten Morde wurden zwischen 2000 und 2006 mit einer Tatwaffe vom Typ "Ceska" begangen. Die Verbrechen wurden als "Ceska-Mordserie" bekannt. Beim letzten Mord in einem Internetcafé in Kassel soll ein Verfassungsschutzbeamter am Tatort gewesen sein. Fürchteten Mundlos und Böhnhardt aufzufliegen? Auch eine Verwicklung des Beamten wurde immer wieder vermutet, ließ sich aber nicht beweisen.

10.000 potentielle Anschlagsziele in ganz Deutschland

05.07.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: eine Schild zum Andenken an den Anschlag des NSU am 19.01.2001 ist in der Probsteigasse zu sehen. (zu dpa Themenpaket "Die blutige Spur des NSU" am 05.07.2018) Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
An den Tatorte des NSU ist das Andenken allgegenwärtig: Hier in Köln, in Erinnerung an den Anschlag in der Probsteigasse (19.01.2001). © dpa, Henning Kaiser, hka hpl

Für ihre Morde sammelten die Rechtsterroristen quer durch ganz Deutschland Namen, Adressen und Kartenausschnitte. 10.000 potentielle Anschlagsziele hatte der NSU zur Auswahl. Doch wie diese Listen zustande kamen, ist nicht bekannt. Mundlos und Böhnhardt sollen viel gereist sein, könnten jedoch auch unbekannte Tippgeber gehabt haben, die im Prozess nicht identifiziert werden konnten.

Ebenfalls unklar ist, ob Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe tatsächlich jahrelang zusammen im Untergrund gelebt haben. Zschäpe selber erklärte, die beiden Männer seien manchmal längere Zeit unterwegs gewesen und sie habe nicht gewusst, wo sie steckten. Deckte sie während dieser Phasen die Verbrechen ihrer Partner? Mundlos soll außerdem eine Zeit lang bei anderen Bekannten gelebt haben. Hintergründe hierzu hat der Prozess nicht aufgedeckt.

Daran schließt die Frage an, ob noch mehr Leute zum "Nationalsozialistischen Untergrund" gehörten. Beim Bundeskriminalamt soll es Ermittler geben, die diese Frage für sich bejahen. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe könnten Teil einer deutlich größeren Gruppe gewesen sein. Die Bundesanwaltschaft bleibt dagegen bei ihrer Überzeugung vom abgeschotteten Trio.


Quelle: DPA / RTL.de

Mehr News-Themen