Weiterer Mitangeklagter im Abu-Walaa-Prozess macht Aussage

Bewaffnete Polizeibeamte sichern einen Eingang zum Oberlandesgericht (OLG). Foto: Holger Hollemann/dpa
© deutsche presse agentur

03. März 2020 - 19:10 Uhr

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, hat ein dritter Mitangeklagter eine Aussage gemacht. In einer schriftlichen, von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung wies der 31-Jährige die Anklagevorwürfe am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Celle im Wesentlichen von sich. Er habe mit Islamismus und Salafismus nichts zu tun gehabt, erklärte der im Libanon geborene Deutsche aus Hildesheim. Rückfragen der Prozessbeteiligten ließ er nicht zu.

Der Iraker Abu Walaa und vier Mitangeklagte müssen sich in Celle seit September 2017 wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben. Abu Walaa trat regelmäßig in der inzwischen geschlossenen Moschee des zwischenzeitlich verbotenen Deutschsprachigen Islamkreis Hildesheim (DIK) auf.

Vor einer Woche war bereits ein anderer Mitangeklagter nach einem glaubhaften Geständnis aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil die zu erwartende Strafe nicht mehr im Verhältnis zu einer Fortdauer der Haft stand. Der 30-Jährige hatte Abu Walaa schwer belastet. Der Prediger habe einen direkten Draht zum IS gehabt und die Ausreise radikalisierter junger Leute aus Deutschland in von der Miliz kontrollierte Gebiete gefördert. Ende Januar hatte ein erster Mitangeklagter zwar eine vorübergehende Sympathie für den IS eingeräumt, das Radikalisieren junger Leute aber bestritten.

In dem Mammutverfahren steht in Kürze das Ende der Beweisaufnahme bevor. Geplant sind dann die Plädoyers und die Urteile.

Quelle: DPA