"Weiße Fahne" unvorstellbar für Fischer

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22. August 2019 - 14:40 Uhr

Die Frage überraschte Urs Fischer fast genauso wie das völlig misslungene Bundesliga-Debüt seiner Eisernen. Ob ihn irgendwann nach der 0:4-Pleite im ersten Spiel des 1. FC Union in der deutschen Eliteliga generelle Zweifel gekommen wären, wollte am Donnerstag ein Reporter zwei Tage vor der ersten Auswärtsaufgabe beim FC Augsburg (15.30 Uhr) vom Berliner Trainer wissen. "Nach einem Spiel schon die Flinte ins Korn werfen? Da habe ich in meiner Karriere schon ganz andere Dinge erlebt", sagte der Schweizer entschlossen.

Trotz der verpatzten Premiere lässt Fischer nicht die Spur eines Zweifels an der Bundesliga-Tauglichkeit seiner Mannschaft zu. "Der Start war nicht gut, das ist uns allen bewusst. Du hast Fehler gemacht, die du auf dem Niveau nicht machen darfst. In der 2. Liga sind die zehn Jahre nicht bestraft worden. Aber irgendwie die Weiße Fahne schwenken, das kann ich mir bei mir sowieso nicht vorstellen", betonte Fischer entschlossen.

Der 53 Jahre alte Fußball-Experte, der als Spieler über 400 Erstligaspiele bestritten und als Trainer den FC Basel zweimal zum Meister und einmal zum Pokalsieger geführt hat, ließ die Aufarbeitung der ersten Niederlage weitgehend auf dem Trainingsplatz ablaufen. "Du musst die Spieler auch im Training immer wieder in Drucksituationen bringen, in denen sie schnell Entscheidungen treffen müssen."

Mental habe er mit seinen Profis gar "nicht viel arbeiten" müssen: "Die Fehler waren zu krass." Die "Ohrfeige" gegen den Champions-League-Teilnehmer Leipzig könnte auch Positives bringen: "Aus solchen Spielen musst du schnellstmöglich lernen, um Dinge dann besser zu machen", unterstrich Fischer. Auch für Christian Gentner, mit 378 Bundesligaspielen der erfahrenste Union-Profi, ist wichtig: "Wir dürfen nicht alles in Frage stellen. Wir haben die Möglichkeit zu zeigen, dass wir es anders können."

Mit welchen personellen Veränderungen Fischer nun in Augsburg antritt, ließ er offen. "Natürlich mache ich mir Gedanken, den einen oder anderen Wechsel vorzunehmen", sagte Fischer. Aber es gebe auch Situationen, da verdiene ein Spieler nach einer schlechten Leistung eine neue Chance. "Du hast die Eindrücke aus dem letzten Spiel und aus dem Training. Am Ende wählst du die Startelf, von der du überzeugt bist", ergänzte der Union-Chefcoach. Auf jeden Fall fehlen werden Innenverteidiger Florian Hübner (Knieverletzung) und Nachwuchsmann Arcones Opfermann (Oberschenkelblessur).

Dass sich der nächste Gegner Augsburg nach einem noch schwächeren Saisonstart als Union mit Pokal-Aus beim Regionalligisten SC Verl und einer 1:5-Packung zum Ligastart bei Borussia Dortmund kurzfristig mit Fischers erfahrenem Landsmann Stephan Lichtsteiner und mit Leverkusen-Leihspieler Tin Jedvaj verstärkt hat, beschäftigt den Berliner Trainer weniger. "Wir müssen in erster Linie auf uns schauen. Wir haben viele Punkte, die wir nicht gut gemacht haben", unterstrich Fischer. "Es liegt an uns, wie schnell wir uns in dieser neuen Liga zurechtfinden."

Quelle: DPA