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Weil er ihn "abgefüllt" hat: Vergewaltiger gibt Gastwirt die Schuld für die Tat

Weil er ihn "abgefüllt" hat: Vergewaltiger gibt Gastwirt die Schuld für die Tat

Er war bei der Vergewaltigung erst 16 Jahre alt

Dieser Prozess birgt viel Diskussionspotential: Das Opfer einer Vergewaltigung fordert Schmerzensgeld von ihrem Peiniger, der möchte jedoch nicht allein für die Tat vor vier Jahren verantwortlich sein. Der bei dem Verbrechen in Dörpen erst 16 Jahre alte Vergewaltiger ist bereits verurteilt, sitzt eine Jugendstrafe ab. Eigentlich scheint die Sache klar – doch für den Täter nicht: Er macht das Personal einer Diskothek mitverantwortlich. Ein Wirt, ein Türsteher und ein Kellner sollen nach Ansicht der Anwälte des Vergewaltigers die Hälfte des möglichen Schmerzensgeldes übernehmen. Damit durchkommen wird er wohl nicht, aber die Forderung ist dennoch beispiellos dreist.

unbekannt
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Derzeit wird die Klage des Täters gegen den Wirt am Landgericht Osnabrück verhandelt, wo auch der Schmerzensgeldprozess läuft. Der Vorwurf: Bei der Tat vor vier Jahren habe der Wirt dem damals erst 16-Jährigen Alkohol ausgeschenkt - und mit dem Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz die Vergewaltigung angeblich mit verursacht. Weil der Wirt also Mitschuld habe an der schrecklichen Tat - so die Logik des Vergewaltigers - soll er 30.000 Euro für das Vergewaltigungsopfer zahlen. Das wäre die Hälfte des im Raum stehenden Schmerzensgeldes.

"Man sollte zu seinen Taten stehen", sagte Anwalt Hermann Dröge, der den Gastwirt vertritt. Erst durch einen Massengentest war der Vergewaltiger nach der Tat im Sommer 2010 überführt worden. Monatelang hatte die Polizei nach dem Täter gefahndet. Durch Faustschläge ins Gesicht hatte der Teenager die junge Frau schwer verletzt und anschließend vergewaltigt. Unter Alkoholeinfluss, sagt der Täter, und versucht das nun im Schmerzensgeldprozess strafmildernd geltend zu machen.

"Der Gastwirt hat ihn abgefüllt"

In der Kleinstadt Dörpen halten viele die Klage des Vergewaltigers für unberechtigt. Doch sein Anwalt Robert Koop besteht darauf, teilt mit: "Der Gastwirt hat den 16-Jährigen gesetzeswidrig mit reichlich Alkohol bewirtet, ihn 'abgefüllt'. Ich sehe ihn daher in der Mitverantwortung für das, was der betrunkene Jugendliche dann machte; ohne Alkohol und Bewirtung wäre nichts geschehen. Auch der Wirt muss folglich für die Folgen seines gesetzwidrigen Handelns gerade sehen, genauso wie der 16-Jährige die Folgen seines Handelns zu tragen hat."

An der Täter-Version des 'Abfüllens' gibt es aber erhebliche Zweifel, so Anwalt Dröge: "Die Ermittlungen des Staatsanwaltes haben ergeben: Die Tat war ohne Alkoholeinfluss, es besteht kein Zusammenhang zwischen der Gaststätte und der brutalen Vergewaltigung."

Auch die Richter in Osnabrück ließen laut einem Bericht der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' bereits durchblicken, dass die Klage kaum Aussicht auf Erfolg habe – weil in dem Vergewaltigungsprozess kein Zusammenhang zwischen Alkohol und Tat gefunden wurde.

Das Urteil in dem Schmerzensgeldprozess soll noch diesen Monat fallen. Auch weil die Gerichtsverfahren sich seit vier Jahren in die Länge ziehen, ist die vergewaltigte Frau inzwischen fortgezogen.