Weihnachtsverkehr: Sind alle gerüstet?

© dpa, Julian Stratenschulte

23. Dezember 2010 - 15:43 Uhr

Riesen-Andrang bei der Bahn

Deutschlandweit sind 'Weiße Weihnachten' sicher, doch was die einen freut, ist für die anderen ein echtes Problem. Flughäfen, Kommunen, Autobahnmeistereien, Straßenwachten und die Bahn versuchen, sich bestmöglich für den 'Ernstfall' zu rüsten.

Wenn sie welche hätte, würde die Bahn vermutlich zusätzliche Züge einsetzen, da in diesen Tagen nach Angaben des Unternehmens etwa 50.000 mehr Menschen als üblich eine Fahrkarte kaufen. Nun werden einige Sonderzüge angeboten. Wegen der großen Nachfrage wurden die Hauptrouten mit Intercitys verstärkt, dafür allerdings Nebenstrecken ausgedünnt.

Auf den Bahnhöfen zwischen Flensburg und München drängten sich am Hauptreisetag vor Heiligabend die Menschen. Nicht wenige Fahrgäste konnten in den Zügen am Donnerstag nur noch einen Stehplatz ergattern. "Die Züge sind sehr, sehr voll und viele sind ausgebucht", sagte ein Bahnsprecher. "Wir sind weitgehend stabil unterwegs", sagte er weiter. Es gebe aber Verspätungen und auch vereinzelt Zugausfälle.

Die Bahn empfahl Reisenden, die keine Reservierung haben, erst an Heiligabend zu fahren - je später, desto besser. Zu den Abendstunden hin würden die Züge leerer.

Salzhersteller reiben sich die Hände

Unterdessen regt sich Kritik am Management der Bahn. Die vielen Zugverspätungen und -ausfälle sind nicht nur die Folgen des Winterwetters, wie bisher behauptet wurde. "Wir haben mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen, die aus der Vergangenheit herrühren", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Jetzt mache sich bemerkbar, "dass man geglaubt hat, man könne sich das eine oder andere an der Reserve sparen", sagte er der 'Hannoverschen Zeitung'. Der Experte der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, kritisierte, der Fuhrpark der Bahn sei zu sehr "auf Kante genäht".

Die Bahn wies vorsorglich schon mal darauf hin, dass es über die Weihnachtsfeiertage erneut zu starken Verspätungen kommen könnte, wenn sich das Winterwetter in Deutschland wieder verschärft. Selbst am Mittwoch, bei schwachem Frost, gab es Zugausfälle und Verzögerungen von bis zu einer Stunde auf der Schiene, berichtet die Zeitung weiter.

Auf Deutschlands Flughäfen arbeiten die Winterdienste mit Höchstleistung. Die Flughäfen verfügen über umfassende Einsatzpläne für Personal, Technik und Winterdienstfahrzeuge. An den 23 deutschen Verkehrsflughäfen werden nach Angaben des Flughafenverbandes ADV ungefähr 300 Kehr- und Blasfahrzeuge sowie über 350 Schneepflüge eingesetzt. Über 100 Fahrzeuge stehen zum Enteisen und Streuen von Flächen bereit. Hinzu kommen einige hundert LKW und Radlader zum Abtransport des Schnees. Allein an den beiden größten deutschen Flughäfen in Frankfurt und München sind ca. 1.000 Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz.

Und was passiert auf den Straßen - wird wieder das Salz ausgehen? Der weltgrößte Salzhersteller K+S kann die riesige Nachfrage derzeit kaum befriedigen. Das Unternehmen hat die Produktion von Auftausalz massiv hochgefahren, die Lagerkapazität wurde gegenüber dem Vorjahr um 100.000 auf 900.000 Tonnen erhöht.

120 Mitarbeiter wurden 2010 zusätzlich eingestellt. In diesem Dezember wurde dreimal so viel Streusalz ausgeliefert wie im Dezember 2009 - und auch der vergangene Winter war hart. Dennoch geht der Verbrauch bereits jetzt an die Substanz. Obwohl Deutschlands Städte und Gemeinden nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Winter rund 30 Prozent mehr Salz bestellt haben.