Weihnachtsplätzchen dieses Jahr ohne Haselnüsse

12. Dezember 2014 - 19:18 Uhr

Wichtige Zutat in den Supermärkten Mangelware

Auf Weihnachtsmärkten in den Genuss von Glühwein und gebrannten Mandeln kommen, Adventskalender und Adventskränze basteln, zu Hause in gemütlicher Gesellschaft Plätzchen backen – vieles gehört zur Weihnachtszeit einfach dazu. Doch dieses Jahr müssen wir auf eines beim Plätzchen backen verzichten: gemahlene Haselnüsse. Diese sind in den Supermärkten derzeit nämlich Mangelware. Der Grund dafür ist die verheerende Haselnuss-Ernte.

Haselnuss-Notstand in der Weihnachtszeit.
Die Rezepte für viele Weihnachtsplätzchen aus Omas Zeiten müssen dieses Jahr umgeschrieben werden.
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Die Krise hat sich vor Monaten angebahnt. Im wichtigsten Haselnuss-Anbaugebiet, der Türkei, hat im März ein kurzer aber heftiger Frost einen Teil der Ernte vernichtet. Unzählige junge Blüten an den Haselnusssträuchern sind innerhalb weniger Stunden erfroren, dabei ist die Türkei mit 70 Prozent der weltweiten Ernte die mit Abstand wichtigste Anbaunation von Haselnüssen. "Während wir den Engpass vor gut einem halben Jahr noch nicht gespürt haben, macht sich dieser nun aufgrund der gestiegenen Nachfrage zur Weihnachtszeit bemerkbar", sagt Claudia Koalenzki von dem Backzutaten-Spezialisten Dr. Oetker.

Beim Discounter Lidl sind gemahlene Haselnüsse ausverkauft, ganze gäbe es laut einer Sprecherin aber noch. Auch in anderen Supermärkten steht man in der Abteilung für gemahlene Haselnüsse vor leeren Regalen. Viele müssen ihre Plätzchenrezepte also vorerst umschreiben und auf Mandeln ausweichen, oder die gemahlenen Haselnüsse im Internet bestellen – da liegt die Lieferzeit im Moment jedoch bei drei bis fünf Wochen.

Nutella-Fans können aufatmen

Doch nicht nur Plätzchen-Fans sind von dem Dilemma betroffen. "Die Situation bei den Haselnüssen ist in diesem Jahr sehr angespannt", sagt die Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, Solveig Schneider. Den befürchteten Nutella-Notstand gab es zwar bislang nicht - obwohl Ferrero als Nuss-Verarbeiter stark betroffen ist. Die hohen Preise für die Nüsse werden sich nach Einschätzung von Branchenexperten aber früher oder später auf die Verkaufspreise auswirken.

Beim Schokoladenhersteller Ritter Sport trifft der Haselnuss-Engpass ausgerechnet den Verkaufsschlager Nummer eins: Die Voll-Nuss-Schokolade des baden-württembergischen Unternehmens besteht zu fast einem Viertel aus ganzen Haselnüssen - und die sind durch das knappe Angebot extrem teuer geworden. "Ein Kilo Haselnüsse kostet nun 12,50 Euro, vorher weniger als die Hälfte", sagt eine Sprecherin. "An einer Vollnusstafel verdienen wir seit dem Haselnusspreisanstieg pro Tafel nichts mehr." Nach Einschätzungen von Branchenexperten werden sich die hohen Preise für die Nüsse früher oder später auch auf die Verkaufspreise auswirken.