Weihnachtsgeschäft in Gefahr: Verdi weitet Streiks bei Amazon aus

17. Dezember 2013 - 13:59 Uhr

Tarifliche Regelungen gefordert

Beschäftigte des Online-Versandhändlers Amazon haben mitten in der Vorweihnachtszeit an gleich drei Standorten in Deutschland die Arbeit niedergelegt. Am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld, in Leipzig und erstmals auch im bayerischen Graben bei Augsburg streikten Hunderte Beschäftigte, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Die Belegschaft fordert tarifliche Regelungen zur Bezahlung, der Arbeitszeit- und Pausenregelung und zum Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Streik beim Versandhändler Amazon
Streik bei Amazon: Das Weihnachtsgeschäft steht weitgehend still, weil an drei Standorten die Arbeit niedergelegt wurde.
© dpa, Henning Kaiser

"Die Beschäftigten bei Amazon leisten hervorragende Arbeit, die vor Weihnachten in Höchstleistungen ausartet. Da ist es nur recht und billig, dass ein Konzern seinen Mitarbeitern Verbindlichkeit und Sicherheit durch Tarifbindung und angemessene Bezahlung bietet", erklärte Streikleiter Thomas Gürlebeck in Graben. Dort versammelten sich laut Streikleiter Hubert Thiermeyer mehr als 350 Mitarbeiter. "Die Stimmung ist kämpferisch, die Menschen haben Existenzängste." Rund 1.800 Mitarbeiter beteiligen sich bereits am Streik. Das sind so viele wie noch nie zuvor in Deutschland. 700 sind es in Bad Hersfeld, 600 in Graben und 500 in Leipzig.

"Wir arbeiten weiter an einer Vernetzung mit anderen bei Amazon und wollen strategisch noch mehr Standorte einbeziehen. Wir behalten uns vor, weiter zu eskalieren", sagte Heiner Reimann von Verdi Hessen. Zudem reise eine Verdi-Delegation nach Seattle, um vor dem Firmensitz des US-Branchenriesen zu demonstrieren.

Amazon lehnt Tarifverhandlungen rigoros ab

"Wir haben vor, die ganze Woche zu streiken. Die Stimmung ist richtig gut. Wir haben ein Festzelt als Streiklokal aufgestellt", sagte Streikleiter Thomas Schneider. Die Leipziger Mitarbeiter freuten sich, dass mit Graben ein weiterer Standort hinzugekommen ist.

Amazon lehnt einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels bisher ab und orientiert sich an den günstigeren Konditionen der Logistikbranche. Deswegen kommt es seit dem Sommer deutschlandweit immer wieder zu Streiks. Bei Amazon arbeiten bundesweit rund 9.000 Mitarbeiter in acht Versandzentren. Unterstützt werden sie von 14.000 saisonalen Aushilfen. In Bad Hersfeld sind es mehr als 3.300 Menschen, in Leipzig rund 2.000.

Die Streiks treffen die Amazon-Geschäftsführung in einer empfindlichen Zeit - wie die Arbeitsniederlegungen sich auf die Lieferzeiten auswirken, ist bisher nicht absehbar. Laut Amazon beteiligen sich 1.115 Mitarbeiter an den drei Standorten. Weil die große Mehrheit regulär gearbeitet habe, habe es keinerlei Verzögerung bei der Zustellung gegeben. "Unsere Kunden können sich selbstverständlich weiterhin auf die rechtzeitige Zustellung ihrer Weihnachtsgeschenke verlassen", so Amazon.