Der Handel verkauft es als Herbstgebäck

Weihnachtsgebäck im Sommer: Warum gibt es jetzt schon Lebkuchen?

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23. August 2019 - 19:26 Uhr

Was im Laden steht ist gar kein Weihnachtsgebäck

Alle Jahre wieder fragen wir uns, warum es schon ab Spätsommer im Supermarkt Lebkuchen, Spekulatius und andere Weihnachtsgebäcke zu kaufen gibt. Hermann Bühlbecker, Inhaber der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz, verrät uns im Interview, warum Weihnachtsgebäck schon jetzt im Laden zu finden ist.

Ab August gibt es "Herbstgebäck"

"Der Handel fängt in dieser Woche mit der Auslieferung in die Märkte an. Das geht dann durch bis Weihnachten. Für den Handel sind das auch Herbstprodukte, also erstmal gar nicht Weihnachtsprodukte", klärt Bühlbecker uns auf. "Keines der Produkte hat irgendein weihnachtliches Motiv: Keinen Tannenbaum, keine Glöckchen. Für uns sind das Herbstgebäcke, die man sehr gut verkaufen kann."

In Polen gibt es das ganze Jahr Lebkuchen

Inhaber der Schokoladenfabrik Henry Lambertz
Inhaber der Schokoladenfabrik Henry Lambertz
© RTL

Jedes Jahr wundern wir uns aufs Neue, aber wir Deutschen scheinen da anders zu ticken. "In anderen Ländern ist das völlig unverständlich", sagt der gebürtige Aachener. "In Polen isst man Lebkuchen das ganze Jahr. Die wundern sich immer, warum wir von Weihnachten reden."

Der Lambertz-Geschäftsführer weiß, wie das Geschäft boomt: "Das Kostbarste was der Handel hat, ist die Stellfläche. Der würde nicht diese Produkte jetzt in die Märkte stellen, wenn der Verbraucher sie nicht kaufen würde. Nach dem Motto: Die ersten schmecken am besten!"

So beliebt ist Gebäck bei den Deutschen

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Feinen Backwaren wie Weihnachtsgebäck lag im Jahr 2018 bei schätzungsweise 7,6 Kilogramm, das schreibt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. auf seiner Webseite.

Dort heißt es auch, dass anhand der Absatzzahlen das liebste Herbstgebäck (2017) für die deutschen Verbraucher Lebkuchen (38 Prozent) ist, dicht gefolgt mit jeweils 21 Prozent von Spekulatius, Stollen und Dominosteine. Zimtsterne, herbstliches Mürbegebäck und anderen saisonalen Erzeugnissen machen einen Anteil von zwölf Prozent aus.

So beliebt war Herbstgebäck 2017.
So beliebt war Herbstgebäck 2017.
© BDSI/Nielsen

Wann wurde Lebkuchen erfunden?

Der Lebkuchen, wie wir ihn heute kennen, wurde vor vielen Jahrhunderten im belgischen Dinant erfunden. Die Aachener haben ihn übernommen und abgewandelt. Dieses Rezept wurde dann in fränkischen Klöstern erneut geändert. Im 14. Jahrhundert wurde das süße, kräftig gewürzte Gebäck in Nürnberg populär, wo es in Klöstern gebacken wurde. Das Wichtigste beim Lebkuche ist, ganz gleich ob industriell gefertigt oder selbstgebacken, dass die typischen Lebkuchengewürze Anis, Fenchel, Ingwer, Kardamom, Koriander, Macis, Muskat, Nelken, Piment und Zimt nicht fehlen.