Weihnachtsansprache: Wulffs ungewöhnliche Premiere

Zur Aufzeichnung seiner Weihnachtsansprache lud Bundespräsident Christian Wulff 200 Bürger ins Schloss Bellevue ein
© dpa, Steffen Kugler

23. Dezember 2010 - 13:54 Uhr

"Jeder muss spüren: Ich gehöre dazu, ich werde gebraucht"

In seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit hatte der Bundespräsident zur Anerkennung der unterschiedlichen Kulturen aufgerufen. Mehr Solidarität untereinander verlangte Christian Wulff auch in seiner ersten Weihnachtsansprache.

"Jeder muss spüren: Ich gehöre dazu, ich werde gebraucht", sagte der 51-Jährige. "Zusammenhalt, Verständigung, Miteinanderauskommen: Das brauchen wir in unseren Familien, in unserem privaten Leben und in unserer Gesellschaft. Unsere Gesellschaft lebt von denen, die sehen, wo sie gebraucht werden, die nicht dreimal überlegen, ob sie sich einsetzen und Verantwortung übernehmen."

Anders als seine Vorgänger hielt Wulff seine Rede, die am ersten Weihnachtstag im Fernsehen ausgestrahlt wird, bei der Aufzeichnung nicht von seinem Schreibtisch aus. Er lud 200 ehrenamtlich engagierte Bürger, Helfer und Angehörige von Polizei und Bundeswehr sowie Kinder ins Schloss Bellevue. Mit ihnen verbrachte er anschließend den Nachmittag.

"Unsere Gesellschaft ist frei und bunt"

Wie schon bei seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit, als er den Islam als Bestandteil Deutschlands bezeichnete und damit eine heftige Debatte auslöste, bekannte sich Wulff auch diesmal zur kulturellen Vielfalt des Landes. "Unsere Gesellschaft ist frei und bunt", sagte er. "Damit eine Gesellschaft aus so vielfältigen Menschen Bestand hat, brauchen wir vor allen Dingen: Respekt. Respekt vor dem, der anders ist als man selbst. Und Anerkennung auch seiner Leistungen."

Wulff legte auch ein Bekenntnis zu Europa ab. Ohne die Schuldenkrise in mehreren EU-Ländern direkt zu erwähnen, verlangte der Bundespräsident verantwortliches Handeln der Partner: "Wir zeigen Solidarität und sind bereit, auch künftig Verantwortung zu übernehmen - auch in Europa. Wir erwarten von unseren Partnern das Gleiche. Alle müssen ihre Hausaufgaben machen."