Es gibt Zweifel, ob die Corona-Maßnahmen reichen

Weihnachten 2020 retten: Mission gescheitert?

Eigentlich sollte der aktuelle „Lockdown light“ sicherstellen, dass die Corona- Fallzahlen weit genug sinken, um Weihnachten zu feiern. Nur – daran kommen jetzt Zweifel auf.
Eigentlich sollte der aktuelle „Lockdown light“ sicherstellen, dass die Corona- Fallzahlen weit genug sinken, um Weihnachten zu feiern. Nur – daran kommen jetzt Zweifel auf.
© imago images/Imaginechina-Tuchong, TANGXIAODONG via www.imago-images.de, www.imago-images.de

12. November 2020 - 8:35 Uhr

von Cordula Robeck

In rund 6 Wochen ist Heiligabend. Aber: wie werden wir das feiern können? Eigentlich sollte der aktuelle "Teil-Lockdown" sicherstellen, dass die Corona- Fallzahlen weit genug sinken. Nur – daran kommen jetzt Zweifel auf.

+++ Alle aktuellen Infos zum Corona-Virus jederzeit im Liveticker +++

Angst vor einem einsamen Weihnachtsfest geht um

 Angela Merkel, Bundeskanzlerin, aufgenommen im Rahmen eines Pressestatements zum Ergebnis der US-Wahl, in Berlin, 09.11.2020. Berlin Deutschland *** Angela Merkel, German Chancellor, recorded as part of a press statement on the outcome of the US ele
Merkel: „Wir müssen davon ausgehen, dass die zweite Welle härter ist, sie fällt in eine schlechtere Jahreszeit.“
© imago images/photothek, Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Tage der Entscheidung: am Freitag will sich der Chef des Bundeskanzleramts, Helge Braun mit den Staatskanzleien der Bundesländer beraten – am Montag tagt die große Runde der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin.

Bei vielen Menschen geht jetzt die Angst um vor einem einsamen Weihnachtsfest. Auch Angela Merkel sorgt sich um das Fest, so hört man. Denn die Ansteckungszahlen sind trotz Teil- Lockdown längst nicht so weit gesunken, wie Experten und Politiker gehofft hatten. Nun könnten vielleicht sogar schärfere Maßnahmen drohen.

Merkel: "Gott sei Dank schaden wir dem Virus, wenn wir uns weniger sehen."

Erst am Montag wird es offizielle Entscheidungen von Bund und Ländern darüber geben, ob die Maßnahmen zum Schutz gegen die Pandemie vielleicht sogar noch verschärft werden müssen. Als die Kanzlerin am Nachmittag online ein Grußwort an die Wirtschaftsweisen richtete, konnte man schon ahnen: Es könnte noch härter werden. Denn Merkel sagt: nur wenn wir auf Abstand bleiben, schaden wir der Weiterverbreitung. "Wir müssen davon ausgehen, dass die zweite Welle härter ist, sie fällt in eine schlechtere Jahreszeit." Und weil es wohl erst nächstes Jahr einen Impfstoff gibt, "müssen wir unsere Vorsichtsmaßnahmen noch weiter einhalten.", so Merkel.

Spahn: „Anzeichen für Veränderung, aber noch keine Trendwende“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Anzeichen für positive Veränderungen der Corona-Infektionslage in Deutschland. "Was wir sehen, ist, dass sich die Dynamik deutlich reduziert hat in den letzten Tagen. Es steigt noch, aber es steigt weniger stark. Das ist erstmal ermutigend, aber es reicht noch nicht", sagte Spahn in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv. Von einem Trend zu sprechen, sei aber noch zu früh: "Nur weil drei Tage was anders ist, liegt hier kein Trend vor. Wir sollten uns keine falschen Hoffnungen machen. Es gibt eine Entwicklung, die ist gut, aber die Zahlen müssen auf längere Zeit runter. Erst dann ist das Ziel erreicht."

Ziemiak: "Für Weihnachten kann keiner Versprechungen machen"

Auf den Corona-Stationen der Krankenhäuser wird es derweil immer enger: Von deutschlandweit knapp 28.000 Intensivbetten sind aktuell nicht einmal mehr ein Viertel frei. So warnt auch CDU- Generalsekretär Paul Ziemiak im RTL- Interview: "Weihnachten wird stattfinden, aber wie und in welcher Form und welche Regeln wir beachten müssen – das kann man jetzt noch nicht sagen."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Italien verbietet als erstes EU-Land Weihnachten in der Großfamilie

Italiens Regierung verbietet nun als erstes EU-Land das Weihnachtsfest in der Großfamilie. Schuld sind auch hier die rasant steigenden Zahlen: Am Dienstag hatte das Land fast 600 Corona-Tote innerhalb von 24 Stunden registriert.

So weit wie in Italien will hier – noch – niemand gehen. NRW Ministerpräsident Armin Laschet, CDU, denkt aber schon darüber nach, die Weihnachtsferien nach vorn zu verlegen. Damit würde zumindest die Gefahr verringert, dass die Kinder das Virus direkt vom Klassenraum unter den Weihnachtsbaum der Großeltern tragen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek fordert eine durchgängige Maskenpflicht an Schulen – auch im Unterricht und selbst an Grundschulen. Auch Spahn unterstützt das.

An den Schulen wird die Lage immer ernster

Nach Angaben des Lehrerverbands befinden sich aktuell schon mehr als 300.000 Schüler und 30.000 Lehrer in Quarantäne. Einen "Salami- Lockdown" nennt das Heinz- Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands. Er befürchtet, dass die Schulen auf Biegen und Brechen offenbleiben sollen. Gleichzeitig aber könne, weil aktuell so viele Lehrer fehlen, das Hygiene- Konzept der halbierten Klassen nicht durchgehalten werden.

Können Merkel und die Ministerpräsidenten Weihnachten retten?

SPD- Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, selbst Epidemiologe, ist wenig optimistisch: "Wir werden mit massiven Einschränkungen rechnen müssen, selbst wenn der Shutdown jetzt erfolgreich ist.", sagt er uns im Interview. Man wolle ja auch nicht in ein paar Feiertagen das verlieren, was man in wochenlanger Beschränkung gewonnen hat.

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.