Wegen Ticketerstattung

Verbraucherzentrale verklagt Lufthansa

Eine Mitarbeiterin der Lufthansa sitzt mit ihrer Mund- und Nasenschutzmaske am Check-in. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild
Eine Mitarbeiterin der Lufthansa sitzt mit ihrer Mund- und Nasenschutzmaske am Check-in. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

28. September 2020 - 15:02 Uhr

Flugpreis muss innerhalb von 7 Tage zurückgezahlt werden

Wegen der schleppenden Ticketerstattung bei stornierten Flügen hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Lufthansa verklagt. Wenn sich Reisende für die Rückzahlung entscheiden, müsse das Unter­nehmen eigentlich innerhalb von sieben Tagen den Flugpreis erstatten. "Verbraucherbeschwerden zeigen jedoch, dass sich die Lufthansa derzeit kaum an diese Regelungen hält und Rückzahlungen ver­schleiert und verschleppt", so die Verbraucherschützer.

"Verbraucher werden durch die falschen Informationen getäuscht"

Die Verbraucherschützer hatten das Unternehmen bereits abgemahnt, die Kunden über ihre Rechte zu informieren, das Recht auf schnelle Erstattung nicht zu verschweigen und zudem den Flugpreis innerhalb der gesetzlichen Frist von sieben Tagen zurückzuzahlen. Da die Fluggesellschaft nicht auf die Abmahnung reagiert habe, sei nun Klage beim Landgericht Köln erhoben worden. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest.

Die vom Staat gestützte Lufthansa hatte in der Corona-Krise seit März Millionen Tickets storniert und nicht fristgemäß erstattet, wie sie selbst eingeräumt hat. Im laufenden Jahr seien inzwischen konzernweit Tickets in einem Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro an rund 6,6 Millionen Passagiere erstattet worden, hatte es vor zehn Tagen geheißen. Offen seien noch rund 900.000 Vorgänge. Zu der Klage des Verbandes äußerte sich das Unternehmen am Montag in Frankfurt zunächst nicht.

Der Reiseexperte der Verbraucherzentrale, Oliver Buttler, warf dem Unternehmen anhand konkreter Fälle gezielte Desinformation vor, indem bevorzugt Umbuchungen angeboten und nicht über die mögliche Rückerstattung informiert worden seien. "Verbraucher, die nicht wissen, dass sie einen Anspruch auf die Rückzahlung haben, werden durch die falschen Informationen getäuscht", erklärte Buttler. "Gerade ein Unternehmen, das durch staatliche Mittel massiv unterstützt wird, darf sich nicht so vor seiner Verantwortung und vor seinen gesetzlichen Pflichten drücken."

Die Verbraucherzentrale hat nach eigenen Angaben bereits in sechs weiteren Fällen Unterlassungsklagen eingereicht, darunter gegen die DER Touristik und die Lufthansa-Tochter Eurowings. Mehrere Unternehmen hätten aber auch die geforderten Unterlassungserklärungen abgegeben, hieß es.

Die für Verbraucherschutz zuständige Bundesjustizministerin Christine Lambrecht hatte schon im August betont: "Die Airlines dürfen die Geduld der Kunden jetzt nicht überstrapazieren und ihr Vertrauen nicht aufs Spiel setzen." Die Verpflichtung, die Tickets sehr zügig zu erstatten, sei "glasklar" europarechtlich vorgeschrieben. "Dieser Pflicht müssen alle Fluggesellschaften jetzt endlich nachkommen."

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Quelle: DPA / Reuters / RTL.de