Vorsitzende hatte Sawsan Chebli (SPD) angegriffen

Nach sexistischem Artikel: Tichy gibt Vorsitz der Ludwig Erhard Stiftung ab

Der deutsche Journalist Roland Tichy spricht. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
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24. September 2020 - 13:38 Uhr

"Frauenverachtende und in höchstem Maße sexistische Äußerungen"

Es war ein extrem-sexistischer Spruch im Magazin der Ludwig Erhard-Stiftung. Geschossen hat der Vorsitzende gegen die SPD-Politikerin Sawsan Chebli. Mehrere Politiker hatten sich mit ihr solidarisiert und waren daraufhin ausgetreten. Jetzt muss der Vorsitzende Roland Tichy nach RTL-Informationen seinen Hut nehmen.

Der Herausgeber der rechtspopulistischen Internet-Plattform "Tichys Einblick" reagiert somit nach Informationen von RTL und ntv auf den wachsenden Druck prominenter Stiftungsmitglieder.

Zuletzt hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann allen Mitgliedern der renommierten Stiftung geschrieben, die das politische Erbe des 2. Deutschen Bundeskanzlers verwaltet. In dem Brief ruft er zu einem Neuanfang an der Stiftungsführung auf, die seit langem wegen der rechtspopulistischen Positionen Tichys in der Kritik steht. Intern hat Tichy nun offenbar zugesagt, dass er den Stiftungsvorsitz Ende Oktober abgibt, eine Mitgliederversammlung solle dann einen neuen Vorsitzenden wählen.

"Bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können"

23.09.2020, Berlin: Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, äußert sich bei einer Pressekonferenz zur Corona-Warn-App, die seit 100 Tagen von den Bürgen genutzt werden kann. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +
Die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU) sagte zu ihrem Austritt: "Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin "Tichys Einblick", die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält",
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In dem Magazin heißt es über die SPD-Politikerin Chebli, die sich im selben Berliner Wahlkreis wie der amtierende Berliner Bürgermeister Michael Müller (SPD) um eine Bundestagskandidatur bemüht: "Was spricht für Sawsan?(...) Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer."

Die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU) sagte zu ihrem Austritt: "Grund für diese Entscheidung ist eine Publikation in dem Magazin "Tichys Einblick", die frauenverachtende und in höchstem Ausmaß sexistische Äußerungen gegenüber meiner Kollegin Sawsan Chebli enthält", sagte Bär dem "Handelsblatt". Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Vorsitzende der Mittelstandsunion Carsten Linnemann waren ausgetreten.

"Derartige Ausfälle sind unerträglich und mit den Zielen der Stiftung absolut unvereinbar", erklärte Staatsministerin Bär ihren Austritt. Ludwig Erhards Ansinnen wäre heute sicher nicht die Herabwürdigung von Frauen, sondern das Fördern weiblicher Karrieren. "Sofern die Stiftung einen Vorsitzenden hat, unter dessen Federführung solche Texte veröffentlicht werden, kann und will ich sie nicht weiter unterstützen. Es zeigt eine gesellschaftspolitische Geisteshaltung, die ich nicht akzeptiere."

Spahn und Linnemann erklärten: "Die Ludwig-Erhard-Stiftung ist eine Institution mit langer Tradition und dem Erbe des Namensgebers verpflichtet. Leider ist seit geraumer Zeit eine Debattenkultur von führenden Vertretern der Stiftung festzustellen, die dieser Verantwortung nicht gerecht wird. Das schadet dem Ansehen Ludwig Erhards. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Mitgliedschaft bis auf weiteres ruhen zu lassen."

Chebli bedankte sich via Twitter bei Bär für deren "klare Haltung" und schrieb: "Wir dürfen nicht länger Sexismus hinnehmen. Wir brauchen aber auch die Männer, die mit uns an einem Strang ziehen." Den Rücktritt Tichys nannte sie "längst überfällig".

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