Wegen Matherätsel auf Facebook: 19-Jähriger wird brutal niedergestochen

12. Oktober 2016 - 13:45 Uhr

Aus einem harmlosen Rätsel wird blutiger Ernst

"Welche Zahl ist gesucht? Gehörst Du zu den zwei Prozent, die die Aufgabe lösen können? Die Hälfte meiner Zahl ist die Hälfte von 400." Dieses Matherätsel postete der 19-jährige Robert D. im April auf Facebook. Dass dieser Post ihn fast das Leben kosten würde, ahnte er damals nicht.

Heute erinnern die Narben auf seinem Bauch den jungen Mann aus Wismar daran, dass aus einem kleinen Streit wegen eines Rätsels plötzlich blutiger Ernst wurde. Robert D. wurde mit einem Messer angegriffen. Der mutmaßliche Täter Alexander L. muss sich nun vor Gericht verantworten.

Aber wie konnte ein Streit über einen Facebook-Post derart eskalieren? Nachdem Robert D. das Rätsel auf seiner Pinnwand veröffentlicht hatte, fingen seine Freunde an, hitzig über das Ergebnis zu diskutieren. Auch Alexander L. (29) mischt sich ein. Die beiden kannten sich vorher nicht, trotzdem entbrennt ein Streit zwischen ihnen. Der Unbekannte wird plötzlich immer aggressiver – zunächst nur im Netz. Doch dann lauert Alexander L. dem 19-Jährigen eines Abends auf.

"Wäre der Sanitäter fünf Minuten später gekommen, wäre ich gestorben"

Robert D. ist mit einem Freund zusammen auf dem Nachhauseweg, als plötzlich der Mann, den er nur aus dem Netz kennt, vor ihm steht. "Ich habe ihn angeguckt, er hat mich angeguckt und dann habe ich sofort einen Stich kassiert", erzählt er. Zweimal stach der Täter zu und verletzte Robert D. schwer. Der 19-Jährige musste mehrfach operiert werden, eine seiner Nieren war nicht mehr zu retten.

Robert D. hatte riesiges Glück, dass er die Attacke überlebte. "Es war auf jeden Fall schon lebensgefährlich. Die Ärzte meinten, wäre der Rettungssanitäter fünf Minuten später gekommen, wäre ich auf jeden Fall gestorben, weil ich drei Liter Blut verloren habe." Der 19-Jährige ist froh, dass er überhaupt noch am Leben ist.

Dass ein harmloses Matherätsel dazu führt, dass beinahe ein Mensch stirbt, erschreckt auch Roberts Anwalt, Carsten Düwel: "Was dieses Verfahren von anderen Verfahren unterscheidet, ist, dass der Auslöser dieses Verbrechens ein Streit, ein Disput auf Facebook war und mehr eben nicht", meint Düwel.

Alexander L. wollte dem Opfer "eine Lehre" erteilen.

Messerstecher Alexander L. (29) sitzt auf der Anklagebank.
Der Angeklagte Alexander L. (29) wollte Robert D. (19) "eine Lehre" erteilen.
© dpa, Jens Büttner, jbu cul

Alexander L. steht nun wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Dort muss auch geklärt werden, ob er dem 19-jährigen bewusst auflauerte, oder ob er ihn zufällig auf der Straße traf und ihn spontan mit dem Messer angriff. Das Opfer will vor allem wissen, warum der 29-Jährige plötzlich ein Messer zückte. "Ich erwarte von der Verhandlung, dass er mindestens seine gerechte Strafe bekommt, dass er vielleicht auch ein bisschen Reue zeigt", sagte Robert D.

Zu Beginn des Prozesses verlas der Richter eine Erklärung des Angeklagten. Die Diskussion über die Mathe-Aufgabe im Internet war sehr hitzig. Robert D. sei in dieser Diskussion selbst auch besonders hervorgetreten. Der 29-jährige Messerstecher habe ihn vorher nie gesehen. Als Alexander L. ihn dann auf der Straße erkannte, habe er zugestochen, um ihm "eine Lektion" zu erteilen. Er habe ihn aber auf keinen Fall lebensgefährlich verletzten wollen.