Wegen der Maßnahmen in der Coronakrise

Familienministerin rechnet mit Zunahme häuslicher Gewalt

23. März 2020 - 21:46 Uhr

Coronavirus verursacht auch Anstieg häuslicher Gewalt

Keine Schule, keine Kita, arbeiten aus dem Home-Office, und auch zum Sportverein kann man in Zeiten der Coronakrise nicht gehen. Das Leben vieler Familien spielt sich fast nur noch in den eigenen vier Wänden ab. Das hat Konfliktpotenzial, wie Experten warnen. Familienministerin Franziska Giffey rechnet mit einer Zunahme häuslicher Gewalt.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie jederzeit in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Erhöhtes Konfliktpotenzial durch Coronavirus-Maßnahmen

"Wir haben ganz viele Frauen, die in den Sorgeberufen arbeiten, viele, die jetzt auch in einer schwierigen Situation sind", sagt die Ministerin im Gespräch mit RTL. "Das kann eben dazu beitragen, dass es im häuslichen Umfeld, wenn man eben auch so viel Zeit zuhause ist, die Kinder nicht in Kita und Schule gehen können, ein erhöhtes Konfliktpotenzial gibt und dass es auch zu stärkerer häuslicher Auseinandersetzung kommt, auch zu stärkerer häuslicher Gewalt."

Giffey rief Länder und Kommunen dazu auf, sicherzustellen, dass es genügend Unterbringungsmöglichkeiten in Frauenhäusern gibt. "Umso wichtiger ist es, dass jetzt auch die Schutzeinrichtungen weiter aufrecht erhalten werden", so die Ministerin und verwies dabei auf das Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen (Tel.: 08000 116016).

Zunahme von Gewalt in Krisenzeiten

Auch Opferverbände und Wissenschaftler warnen vor einem Anstieg der häuslichen Gewalt. "Wir müssen damit rechnen, dass die Zahlen der Fälle von Gewalt gegen Frauen steigen werden", sagt Claudia Fritsche von der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW. Auch der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick warnte, dass sich Gewalt in Krisenzeiten vor allem gegen vermeintlich Schwächere richtet. Politikerinnen von SPD und Grünen im NRW-Landtag wollen das Thema am Dienstag auf die politische Agenda setzen.

"Aus Überforderung und Freiheitseinengung kann Aggression entstehen, und die trifft Schwächere", sagte Zick, der das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld leitet, dem "Westfalen-Blatt". Auch in und nach der Wirtschafts- und Finanzkrise sei nach Analysen der Gewaltforschung die Menschenfeindlichkeit gestiegen.

Auch Kinder betroffen

Auch Kinder können durch die aktuellen Entwicklungen häufiger häuslicher Gewalt ausgesetzt sein. Der Deutsche Kinderverein in Essen appelliert daher an die Bevölkerung: "Wenn Sie Zweifel am Wohl eines Kindes in Ihrer Umgebung haben, teilen Sie Ihre Sorgen dem Jugendamt mit. Das geht auch anonym", so Rainer Rettinger, Geschäftsführer des Vereins.

TVNOW-Doku: Stunde null – Wettlauf mit dem Virus

Das Coronavirus hält Deutschland und den Rest der Welt in Atem. Wie konnte es zur rasanten Verbreitung kommen, und was bedeutet der Ausbruch für unseren Alltag? Weshalb Wissenschaftler schon lange vor dem Ausbruch vor dem Virus gewarnt haben, erfahren Sie in der TVNOW-Doku "Stunde null – Wettlauf mit dem Virus".

Mehr Informationen finden Sie auch im gemeinsamen Podcast von Stern und RTL "Wir und Corona". In Folge 4 spricht Host Florian Güßgen mit der Berliner Apothekerin Anke Rüdiger, die auch Vorsitzende des Berliner Apotheken-Vereins ist, über Paracetamol-Bestände, über gefährdete Lieferketten für Medikamente und über die Ängste ihrer Kunden.