Wegen Kinderwagen? Nachbarschaftszoff eskaliert - Frau und Bekannten mit Säure übergossen

31. Mai 2017 - 12:45 Uhr

Säureopfer Gerrit K. bangte um sein Augenlicht

Offenbar weil ihn ein Kinderwagen im Hausflur störte, hat ein Mann in Mülheim an der Ruhr seine Nachbarin und deren Bekannten mit Schwefelsäure übergossen. Gerrit K. und Maria R. trugen schwere Verletzungen am ganzen Körper davon und erlitten einen Schock.

Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung

Die Schwefelsäure hat sich durch die Kleidung gefressen und die Haut verätzt. An Armen, Beinen, im Dekolleté, überall sind die Spuren der aggressiven Flüssigkeit sichtbar. Gerrit K. bekam die Säure auch direkt ins Gesicht. Sein rechtes Auge ist schwer verletzt. "Erst hat die Haut angefangen zu qualmen, als ob jemand mit einem glühenden Eisen im Gesicht rumfummelt."

Ein Nachbar soll die 35-jährige Frau und ihren Bekannten (29), der in einem anderen Stadtteil lebt, mit der Säure attackiert haben, nachdem ein schon länger schwelender Nachbarschaftsstreit eskaliert war. Die beiden kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

Wie Anwohner RTL bestätigen, wurde der Mann schon des Öfteren aggressiv und laut. Trotzdem hätten Maria R. und Gerrit K. es nach eigenen Angaben nie für möglich gehalten, dass der 64-Jährige in seine Wohnung rennt, eine Flasche mit Säure holt und den Inhalt in ihre Richtung spritzt.

In der Wohnung des Tatverdächtigen fand die Polizei später noch weitere Flaschen mit möglicherweise gefährlichem Inhalt. "Wir vermuten, dass er wusste, welche Wirkung die Säure hat", sagte ein Polizeisprecher. Gegen den Angreifer wird nun wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung ermittelt.

"Habe noch nie so einen Schmerz gefühlt"

Gerrit K und Maria R. waren nach der Tat sofort in ihre Wohnung gerannt und hatten sich abgeduscht. Im Krankenhaus wurden die Wunden später stundenlang gespült und verarztet. "Ich habe noch nie so einen Schmerz gefühlt", sagt Gerrit K. Die Ärzte hatten sich vor allem Sorgen um sein Augenlicht gemacht, am Ende kam der 29-Jährige zum Glück mit einer Hornhautablösung davon. "Da war ich schon erleichtert."

Der zweijährige Alexander, dessen Kinderwagen Stein des Anstoßes gewesen sein soll, überstand den Angriff übrigens unverletzt. Er war zum Tatzeitpunkt in der Wohnung seiner Eltern - und damit in Sicherheit.