RTL News>News>

Wegen islamistischer Terrordrohungen: Dresdner Polizei verhängt Demo-Verbot

Wegen islamistischer Terrordrohungen: Dresdner Polizei verhängt Demo-Verbot

"Geht um ein Mitglied des Pegida-Orgateams"

Die Polizei Dresden hat für Montag die Pegida-Demonstration und alle anderen Kundgebungen in der sächsischen Landeshauptstadt verboten. Es gebe nicht mehr nur eine abstrakte, sondern eine konkrete Gefahr, erklärte Polizeipräsident Dieter Kroll.

ARCHIV - Hunderte Teilnehmer einer Demonstration unter dem Motto "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA) demonstrieren am 03.11.2014 vor der Frauenkirche in Dresden (Sachsen). Foto: Arno Burgi/dpa (zu dpa-KORR lsn vom 18.01.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Pegida sagt ihre Demonstration in Dresden ab
dpa, Arno Burgi

Laut dpa-Informationen richtet sich eine Anschlagsdrohung gegen Pegida-Mitgründer Lutz Bachmann. Schon vor der Anordnung der Polizei hatten die selbst ernannten Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) ihre für morgen geplante Kundgebung vor der Semperoper abgesagt. Auch dies wurde mit Hinweisen des Staatsschutzes auf Attentatspläne gegen ein Mitglied des Organisationsteams begründet.

In der Polizei-Verfügung ist von vorliegenden Informationen die Rede, wonach Attentäter aufgerufen wurden, sich unter die Pegida-Demonstranten zu mischen. Ziel sei es, "zeitnah einen Mord an einer Einzelperson des Organisationsteams der Pegida-Demonstrationen zu begehen". Dieser Aufruf ähnele einem über einen Twitter-Account gesendeten Tweet, in dem auf Arabisch die Pegida-Demonstration als "Feindin des Islam" bezeichnet werde, heißt es in dem Schreiben.

Die Dresdner Sicherheitsbehörden leiten daraus eine konkrete Gefahr ab. "Konkret heißt auch: Es geht um ein Mitglied des Orgateams von Pegida und die Versammlungen für den 19. Januar 2015", sagte Polizeipräsident Kroll.

"Kommunikationsinhalte bekannter Dschihadisten abgefangen"

Laut Polizeiverfügung sind am Montag von 00.00 Uhr bis 24.00 Uhr alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge innerhalb der Ortsgrenzen der Landeshauptstadt Dresden untersagt. Das Gegenbündnis "Dresden für alle", das auch für Montagabend eine Kundgebung für eine weltoffene Stadt angemeldet hatte, nahm die Entscheidung zur Kenntnis.

"Natürlich muss die Polizei für Sicherheit sorgen", sagte Bündnissprecher Eric Hattke. "Sie muss ihre Entscheidungsprozesse aber auch für alle Seiten transparent darstellen."

Wie dpa erfuhr, gab es bereits am Freitag entsprechende Hinweise ausländischer Geheimdienste an die deutschen Behörden. Auch das Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' hatte berichtet, es seien "Kommunikationsinhalte namentlich bekannter Dschihadisten abgefangen" worden, die mögliche Anschläge auf Pegida-Demonstrationen diskutiert hätten.

Die Pegida-Organisatoren erklärten, kurzfristig habe kein befriedigendes Sicherheitskonzept erarbeitet werden können. "Daher halten wir es für unverantwortlich, unsere Sympathisanten und unsere Stadt unkalkulierbaren Risiken auszusetzen." In München planen die Islamgegner dennoch auf die Straße zu gehen. Zugleich soll es in mehreren bayerischen Städten am Montag zu Gegen-Kundgebungen kommen.

Pegida organisiert seit Mitte Oktober regelmäßig Demonstrationen gegen eine vermeintliche Islamisierung des Abendlandes und für eine Verschärfung des Asylrechts. Zuletzt kamen am vergangenen Montag bei der bislang größten Kundgebung nach Polizeiangaben rund 25.000 Menschen in Dresden zusammen.