Kein Verständnis für BBL-Plan

Bayerns Basketballer sind heftig "angepisst"

16. April 2021 - 10:41 Uhr

Die Stadt München richtet das Finalturnier um den Basketball-Pokal aus. Vom Sport ist dieser Tage bei den Bayern aber kaum die Rede. Das Top-Team ist stinksauer wegen der Ansetzung kurz vor einem historischen Euroleague-Highlight.

"Es ist eine Schande"

Andrea Trinchieri redete sich mal wieder so derbe richtig in Rage. "It's unglaublich", schimpfte der Trainer von Bayern München und holte zur verbalen Ohrfeige gegen die Basketball Bundesliga (BBL) aus: "Überall ist das Team, das in der EuroLeague spielt, ein Botschafter der Liga und des Landes. Wir sind es nicht." Sportdirektor Daniele Baiesi fügte unmissverständlich an, wie "angepisst" er von der anstehenden Terminhatz sei: "Es ist eine Schande. Die Leute verstehen nicht, was dieser Klub für den deutschen Basketball macht."

Die Münchner stehen als erster deutscher Klub in den Play-offs der EuroLeague. Eigentlich ein Grund zur Freude, seit der Gründung der Königsklasse 2000 wartete die Basketball-Szene des Landes auf den Moment, der am Dienstag mit dem ersten Spiel der Viertelfinal-Serie "best of five" bei Armani Mailand erreicht ist.

Doch wirklich darauf vorbereiten können sich Trinchieri und sein Team, das bereits 67 Spiele in 193 Tagen seit dem 2. Oktober in den Beinen hat, freilich nicht. Die Liga hat für das anstehende Wochenende das Top Four des BBL-Pokals angesetzt, und die Münchner sorgen sich angesichts des XXL-Programms um die Gesundheit ihrer Spieler - und ihre sportlichen Chancen.

"Wir haben ungefähr 300 Mal draufgeschaut..."

Marko Pesic lenkt als Sportdirektor die Basketballer des FC Bayern München. Foto: Inga Kjer
Marko Pesic sagt: "Es war keine offene Diskussion."
© DPA

BBL-Chef Stefan Holz hat für die deutliche Verstimmung durchaus Verständnis. "Wenn ich auf dem Stuhl des Sportdirektors säße, würde ich mich wahrscheinlich genauso äußern", sagte Holz. Der Erfolg der Bayern in der EuroLeague sei der Liga wichtig, er freue sich auf die Play-offs. Aber: "Wir haben ungefähr 300 Mal draufgeschaut und am Ende kein anderes Wochenende gefunden."

Baiesi hatte vorher wütend von einer "dummen Entscheidung" und fehlendem Fairplay gesprochen. In der EuroLeague sei es nicht möglich gewesen, Spiele zu verschieben, der BBL habe man aber Alternativen aufgezeigt. Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic formulierte etwas verbindlicher: "Ich kritisiere die Liga nicht, das möchte ich festhalten. Aber ich glaube, es gab auch andere Möglichkeiten. Es war keine offene Diskussion."

Statt sich gewissenhaft auf die körperlich starken Mailänder vorbereiten zu können, spielt der FCB am Samstag zunächst sein Pokal-Halbfinale gegen ratiopharm Ulm (16 Uhr/alle Spiele bei MagentaSport). Der Anspruch von Trinchieri und Co. ist es, am Sonntag das Finale (15.00 Uhr) gegen den Gewinner des Duells zwischen der BG Göttingen und Titelverteidiger Alba Berlin zu spielen. Schließlich geht es um den ersten Titel der Saison.

"Augen zu und durch"

"Im Pokal und in der deutschen Meisterschaft wollen wir definitiv um den Titel mitspielen, und da sollte uns auch das eine oder andere gelingen", sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer dem Sportinformationsdienst. Der 66-Jährige hofft auf eine Motivationsspritze für sein schwer beanspruchtes Team, das nach dem Play-off-Auftakt in der EuroLeague am Dienstag bereits am Donnerstag erneut in Mailand spielen muss. Dann folgt in der Liga wiederum am Samstag das Spitzenspiel gegen Alba Berlin.

Die Belastung ist enorm. Körperlich, weil die Vorbereitung im Sommer durch die herrschenden Einschränkungen nicht wie gewohnt laufen konnte. Aber Nationalspieler Zipser betonte auch die "extrem schwere" mentale Beanspruchung. Der 27-Jährige verfährt aktuell nach dem Motto "Augen zu und durch". "Wir haben schon viel gemacht in dieser Saison, auch viel Gutes", sagte der Flügelspieler: "Jetzt haben wir die Chance, uns mit dem ersten Titel zu belohnen."

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