Wegen Donald Trump: Immer mehr US-Frauen streben in die Politik

© dpa, Cliff Owen, CO csa jhe

3. April 2018 - 13:41 Uhr

Amerikanische Frauen haben genug von den Aussagen des US-Präsidenten

In den USA strebt eine Rekordzahl von Frauen in die Politik. Die Kongresswahlen im November könnten das öffentliche Gesicht Amerikas dadurch nachhaltig verändern. Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) hat die weiblichen Nachwuchs-Politikerinnen nun bei einem Seminar begleitet, in dem sie lernen, wie sie die Arbeit in der Politik am besten meistern und mit welchen Handwerkszeug sie Donald Trump den Kampf ansagen können.

Kulturelle Kompetenz, Sprechtrainings und Medien stehen auf dem Seminarplan für angehende Politikerinnen

15 Frauen haben sich an diesem Samstag in einer Bibliothek im US-Bundesstaat Maryland versammelt. Die älteste von ihnen ist 62, die jüngste 23. Einige von ihnen studieren, andere sind berufstätig in Vollzeit, manche sind Mütter. Viel scheinen die Frauen nicht gemeinsam zu haben, aber das ist nur der erste Blick. Denn eines vereint sie: Alle streben in die Politik. Hier lernen sie, wie das geht.

Die heutige Sitzung unter Anleitung von Seminarleiterin Kristal Knight ist eine von neun Trainingseinheiten, die die Frauen auf ihre politische Laufbahn vorbereiten sollen. Sieben von ihnen stehen bereits mitten in ihren Kampagnen für die Kongresswahlen im November. Auf dem Stundenplan stehen kulturelle Kompetenz und Diversität, Sprechtrainings, der richtige Umgang mit Medien und die optimale Präsentation von Botschaft und Person. Veranstalter ist 'Emerge America'. Diese Organisation führt Frauen an die Politik heran und gibt ihnen das Handwerkszeug für einen erfolgreichen Wahlkampf mit.

Donald Trump als Auslöser für den Politik-Durst der Frauen

Solche Organisationen gibt es in den USA zwar schon länger. Aber erst seit Ende 2016 finden sie einen zuvor ungeahnten Zulauf an Bewerberinnen. Ein Grund sind die Kongresswahlen am 6. November: Noch nie gab es dafür so viele weibliche Kandidatinnen wie dieses Mal. Viele von ihnen treten aus Empörung über US-Präsident Donald Trump an.

Mitte März kandidierten bereits 421 Bewerberinnen für das Repräsentantenhaus, der bisherige Rekord stammt aus dem Jahr 2012 mit 298 Bewerberinnen. Momentan sind lediglich 83 der insgesamt 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus Frauen. "Wir haben noch nicht die endgültigen Zahlen, aber wir sind uns bereits jetzt ziemlich sicher, dass wir eine Rekordzahl an weiblichen Kandidatinnen für die Wahlen im November haben werden", sagt Kelly Dittmar, Professorin am Zentrum für Amerikanische Frauen und Politik der Rutgers-Universität. Hauptsächlich sei dieses Phänomen eines der demokratischen Partei: 332 der Kandidatinnen sind dort politisch zu Hause. Auch 'Emerge America' und die meisten der anderen Organisationen, die Frauen für die Politik trainieren, bilden ausschließlich demokratische Bewerberinnen aus. Was treibt die Frauen an?

Nachdem Trump zum Präsidenten gewählt wurde, gingen viele Frauen auf die Barrikaden

Glaubt man Diane Fink (58), ist es nicht zuletzt Präsident Donald Trump. Fink ist seit 2012 Leiterin von 'Emerge' in Maryland. Sie sagt, zu Beginn habe es zwar schon Interesse gegeben an ihrer Arbeit - aber nach der Präsidentenwahl 2016 sei sie von Bewerberinnen buchstäblich überrannt worden. "Ich bin am Wahlabend recht früh ins Bett gegangen", sagt Fink, "aber um vier Uhr nachts, nachdem feststand, dass Donald Trump die Wahl gewonnen hatte, wachte ich plötzlich davon auf, dass mein Handy ununterbrochen vibrierte. Das waren alles Frauen, die mir schrieben, 'Diane, ich will etwas machen, ich möchte mich auch für die Wahl aufstellen lassen'."

Trump hat mit seiner ihm oft vorgeworfenen frauenfeindlichen und diskriminierenden Rhetorik in den USA eine Protestbewegung auch unter Frauen ausgelöst. Bereits am Tag nach der Amtseinführung demonstrierten sie beim 'Marsch der Frauen' zu Hunderttausenden. Die #metoo-Bewegung und das Anprangern sexueller Belästigung taten ein Übriges. Vielen genügt es aber nicht mehr, nur zu protestieren, sie wollen selbst ans Steuer. Sie wollen dahin, wo Entscheidungen getroffen werden - in die Politik.