Wegen Tönnies: Zu viele Schweine, zu wenige Schlachtereien

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Den Stall nicht vollmachen“

30. Juni 2020 - 11:27 Uhr

Schweine im Abnahme-Stau

Unter Schweinezüchtern herrscht Unruhe. Denn der Ausfall der Tönnies-Großschlachterei im Kreis Gütersloh wegen des Corona-Ausbruchs führt zu einem Abnahmestau. Landwirtschaftsministerin Klöckner ruft im "ntv Frühstart" zu Flexibilität auf - und zur Zurückhaltung bei der Tierproduktion.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Andere Schlachter sollen einspringen

Mit Blick auf fehlende Schlachtkapazitäten wegen der Schließung des Tönnies-Betriebs in Rheda-Wiedenbrück hat CDU-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Landwirte und Schlachter aufgerufen, flexibel zu reagieren. Sie könne die Sorgen der Züchter sehr gut nachvollziehen. "Deshalb ist es zum einen wichtig, dass Schlachtkapazitäten an anderen Orten noch genutzt werden, dass vor allen Dingen die Schlachtungen nach Möglichkeit etwas verschoben werden können", sagte Klöckner im "Frühstart" von ntv.

Den Stall nicht vollmachen, ist klug

Durch die Stilllegung des Tönnies-Standorts in Rheda-Wiedenbrück müssen Landwirte pro Woche für 70.000 Schweine andere Abnehmer finden. Die Landwirtschaftsministerin sprach von einem Problem, "das auf uns zukommt." Jeder in "der Kette" müsse seiner Verantwortung gerecht werden. "Vor allen Dingen natürlich die Schlachtereien."

Klöckner wollte die Tierhalter nicht pauschal zu einer verringerten Produktion anregen. "Sie legen nicht einfach den Schalter um", sagte sie. Dennoch gab sie den Ratschlag: "Den Stall nicht ganz vollzumachen, das ist schon eine kluge Herangehensweise."

Viele Verbraucher sind seit dem Ausbruch verunsichert – wir zeigen Ihnen, in welchen Produkten Tönnies-Fleisch steckt.

Tierwohlabgabe auch für Importe

Im Gespräch mit ntv erläuterte Klöckner noch einmal die Tierwohlabgabe, ihr Konzept zur moderaten Verteuerung von Fleisch und Wurstwaren. Fleisch dürfe nicht Luxusware werden, dürfe aber auch kein Alltagsramsch sein.

In der Behandlung von Fleischimporten räumte Klöckner Schwierigkeiten ein, denn auch diese sollten mit einer Tierwohlabgabe belastet werde. "Wir sind in einem Binnenmarkt. Und wenn wir jetzt nur das einheimische Fleisch belegen würden, dann würde nach dem anderen gegriffen werden, weil es billiger ist." Die Abgabe müsse allerdings "europarechtlich vereinbar sein." Das müsse nun geprüft werden.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Corona-Virus hält die Welt seit Wochen in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt spannende Dokumentation zur Entstehung, Verbreitung und den Folgen der Pandemie.

Weitere Videos zum Thema Coronavirus finden Sie hier

Noch mehr spannende Interviews aus der Welt der Politik

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplayliste können Sie sich die Video-Interviews ansehen.