Bilanz nach einer Woche Schulschließungen wegen Corona

Schule im Home-Office: Läuft super, aber…

Coronavirus -Leerer Klassenraum
© dpa, Patrick Pleul, ppl fdt

24. März 2020 - 14:21 Uhr

Funktioniert das mit dem Home-Schooling?

Schule im Home-Office! Seit einer Woche ist das Alltag für Millionen Schülerinnen und Schüler und Hundertausende Lehrer in Deutschland, von Klasse 1 bis zum Abitur. Aber wie läuft es? Kommen Schüler und Lehrer mit dem digitalen Unterricht klar?

Die erste Bilanz klingt positiv. Die Pädagogenverbände weisen aber auch auf Probleme hin, die Home-Schooling mit sich bringt.

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"Bis nach Ostern kriegen wir das hin"

"An der einen oder anderen Stelle rumpelt es noch ein bisschen, aber im Großen und Ganzen ist die letzte Woche richtig gut gelaufen", sagt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) im Deutschlandfunk. Es sei beeindruckend, wie Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler in der ersten Woche der Schulschließungen mitgearbeitet hätten.

Der Austausch zwischen Eltern, Lehrern und Schülern habe sich eingespielt, auch an Schulen, die digital nicht so gut ausgestattet seien, bilanziert Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und selbst Leiter eines Gymnasiums im niederbayerischen Deggendorf. Probleme gebe es zum Teil mit der technischen Ausstattung zu Hause. In manchen Familien existiere kein Drucker, um Arbeitsblätter auszudrucken, manchmal gibt es auch nur einen Computer und den brauchen dann Eltern selbst fürs Homeoffice.

Eine besondere Herausforderung seien Schüler, deren Eltern nicht zu Hause seien oder die wegen fehlender Deutschkenntnisse nicht helfen könnten. "Da muss man aufpassen, dass die nicht abgehängt werden. (...) Bis nach Ostern kriegen wir das hin. Wenn Schulschließungen länger andauern, wird es ganz andere Notfallpläne brauchen."

Manche Lehrer bringen auch Arbeitszettel vorbei - ganz analog

16.03.2020, Schleswig-Holstein, Wentotf Bei Hamburg: Der Elfjährige Gymnasiast Julius löst in seinem Kinderzimmer in Wentorf bei Hamburg Aufgaben, die ihm seine Lehrer für jeden Tag über den Schulserver geschickt haben. Wegen des Corona-Virus bleiben
Der Grundschulverband äußert Befürchtungen, dass Unterschiede zwischen Kindern größer werden könnten, etwa wenn Eltern zum Beispiel nicht auf Emails der Lehrer reagierten.
© dpa, Ulrich Perrey, upy wst

Auch viele Skeptiker unter den Lehrern werden überzeugt. Email, Videobotschaften oder Lernplattformen werden auch von "digitalisierungskritischen Lehrkräften" positiver bewertet berichtet Andreas Fichtl, der stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG). Es herrsche mancherorts sogar so etwas wie eine Aufbruchstimmung. So bieten Schulen und Lehrer Telefonsprechstunden oder Klassenchats zu festen Zeiten an. Eingescannte und digitalisierte Arbeiten werden korrigiert. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler arbeitet durchaus ernsthaft an den erteilten Aufträgen. "Dies hängt jedoch auch sehr stark von der jeweiligen familiären Situation ab."

Angst, dass die Bildungs-Schere zwischen den Kindern wächst

An den rund 15.000 Grundschulen in Deutschland mit 2,8 Millionen Grundschülern wurden "Maßnahmen zum Abmildern der Folgen des Unterrichtsausfalls ohne größere Schwierigkeiten in die Wege geleitet", sagt die Vorsitzende des Grundschulverbandes (GSV) Maresi Lassek. Viele Schülerinnen und Schüler haben vor der Schließung Aufgabenpakete mitbekommen.

Nachschub gibt es per Email an die Eltern. Lehrer würden auch Arbeitspakete selber vorbeibringen, wenn der Kontakt per Mail nicht geklappt hätte. Die erste Woche sei überwiegend ruhig abgelaufen. Es gebe ein großes Engagement von Lehrern und Schulleitungen und Unterstützung von den Eltern. Der Grundschulverband äußert allerdings auch Befürchtungen, dass Unterschiede zwischen Kindern größer werden könnten, etwa wenn Eltern zum Beispiel nicht auf Emails der Lehrer reagierten.

Infrastruktur ist noch nicht richtig vorbereitet

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), Jürgen Böhm, zeigt sich "sehr zuversichtlich". Die Schulen nutzten jetzt verschiedenste Plattformen, um mit den Schülerinnen und Schülern zu kommunizieren, diese mit Unterrichtsmaterial zu vorsorgen und sie umfassend auf die Realschulabschlussprüfungen vorzubereiten. Insgesamt funktioniere der digitale Unterricht sehr gut. "Allerdings zeigt und bestätigt sich jetzt in einzelnen Bundesländern, dass die Infrastruktur immer noch nicht richtig vorbereitet ist."