Mieterschutzvereine fürchten Kündigungswelle im Herbst

Wegen Corona: Droht jetzt vielen Mietern der Rausschmiss?

Vielen wächst die Miete für die eigene Wohnung in der Corona-Krise über den Kopf.
© imago images / Schöning, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

15. Juli 2020 - 10:20 Uhr

Mietenmoratorium schützte Mieter in Corona-Krise - bis jetzt

Was Mieter am Anfang von Corona entlasten sollte, kommt jetzt zurück: die Angst sich die eigene Wohnung wegen finanziellen Einbußen durch die Corona-Krise nicht mehr leisten zu können. Vom 1. April bis zum 30. Juni waren Mieter vor einer Kündigung vom Vermieter geschützt, wenn sie ihre Miete aufgrund der Corona-Krise nicht zahlen konnten. Seit Juli gilt dieser Schutz nicht mehr – und das könnte nun für eine Welle der Kündigungen sorgen, fürchten Mieterschutzvereine.

Große Kündigungswelle befürchtet

"Die große Kündigungswelle wird im Herbst über uns hereinbrechen", zitiert die Bild-Zeitung Hans-Jochem Witzke, Mieterbund-Chef in Nordrhein-Westfalen. Auch Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbunds, erklärt im "Tagesspiegel"-Interview: "Wer mehr als eine Monatsmiete im Rückstand ist, kann fristlos gekündigt werden. Davor wollten wir die Mieter für einen längeren Zeitraum schützen, nicht nur für drei Monate." 

Warum kommt die Kündigungswelle erst im Herbst?

Das liegt laut Siebenkotten daran, dass zwar viele Mieter durch Kurzarbeit und Jobverlust finanzielle Einbußen hatten, allerdings auch da als Erstes versucht wird, die Miete zu zahlen. Zudem haben sich viele Vermieter auf Kompromisse eingelassen, wie zum Beispiel gekürzte oder spätere Zahlungen. Auch Wohngeld und Übernahme der Mietkosten beim Arbeitslosengeld II sind aktuell leichter zu bekommen.

Das Problem: Wurde die Kurzarbeit nicht mittlerweile wieder aufgestockt oder ein neuer Job gefunden, sind die Reserven bei vielen bald aufgebraucht – und die Mieter dann nicht mehr geschützt. Wer seine Wohnung dann nicht mehr finanziert bekommt, muss mit einer Kündigung rechnen.

Sie haben Probleme mit dem Vermieter? Hier finden Mieter Hilfe

Unterstützung bei Kündigungen, Beratung bei Mieterhöhungen sowie Heiz- und Nebenkostenabrechnungen gibt es beispielsweise beim Mieterschutzbund (einmalige Aufnahmegebühr 20 Euro, Jahresmitgliedbeitrag 80 Euro):

Der Deutsche Mieterbund vertritt die Rechte und Interessen der Mieter. Experten helfen bei Mietstreitigkeiten und bieten teilweise sogar Prozesskostenschutz. Den nächsten örtlichen Mieterverein in Ihrer Region finden Sie hier: