Aber: Kein Grund zur Sorge

Wegen Corona: Mehr Kinder haben unsichtbare Freunde

Niemand kann sie sehen, außer das Kind.
© DARIYA ANGELOVA ( DARIYA ANGELOVA (Photographer) - [None], PAYA MONA

08. Juli 2020 - 10:57 Uhr

Ein Drittel aller Kinder zwischen drei und sieben Jahren haben einen Fantasiefreund

Sie sind nett, hilfsbereit und vor allem immer verfügbar – doch sehen kann sie niemand. Außer den eigenen Kindern. Unsichtbar für Erwachsene haben viele Kids im Alter zwischen drei und sieben Jahren einen Fantasiefreund. Knapp ein Drittel aller Kinder zwischen drei und sieben Jahren haben eine Freundschaft, die nur in ihrem Kopf existiert. Und Corona könnte noch mehr solcher Fantasiefreundschaften hervorbringen.

Fantasiefreunde sind normal

"Diese Freunde können Tröster, Beschützer, Komplize und auch Sündenbock sein", erklärt Paige Davis im Apothekenmagazin "Baby und Familie". Die Psychologin forscht an der York St. John University (Großbritannien) darüber, welchen Zweck imaginäre Freunde haben und wie sie sich auf die Entwicklung der Persönlichkeit auswirken. Für Eltern besteht kein Grund zur Sorge: Nur weil ihre Kinder einen imaginären Freund haben, weist das nicht auf eine psychische Störung hin.

Fantasiefreunde treten in Übergangsphasen in Erscheinung

Fantasiefreunde treten meistens auf, wenn sich die Kinder krank fühlen. Häufig sind die kleinen unsichtbaren Helfer Unterstützer in schwierigen Situationen, z.B. wenn sich die Eltern trennen oder ein Geschwisterkind geboren wird. "Oder wenn sie sich einsam fühlen", sagt die Psychologin. "Ich glaube auch, dass gerade jetzt, während der Corona-Pandemie, eine ganze Menge neuer imaginärer Freunde geschaffen werden." 

Während in den 70er-Jahren Fantasiefreunde als Zeichen interpretiert wurden, dass es dem Kind an irgendwas fehle, gelten Kinder mit einem unsichtbaren Spielkameraden heute als kreativ und sprachgewandt. Und sie verfügen über eine stärkere soziale Kompetenz. Das zeigt sich zum Beispiel schon in der Art, wie sie ihre echten Freunde beschreiben: "Sie sagen nicht 'Peter ist groß und hat braune Haare', wie andere Kinder in dem Alter das machen. Sie würden eher sagen, 'er ist witzig oder er ist nett, weil er mir einmal hoch geholfen hat, als ich gefallen bin'", erklärt Davis. Ein imaginärer Gefährte ist also Teil der normalen Entwicklung und sogar eine positive Erscheinung. Sollte Ihr Kind Ihnen auch ab und an wilde Geschichten von sich und seinen "Freunden" erzählen, spielen Sie einfach mit und hören ihm aufmerksam zu.