Wegen Corona-Krise

Deutsche sparen so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr

Geld für das Alter beiseite legen müssen viele. Doch wie hoch der Sparbetrag sein muss, ist bei jedem Sparer unterschiedlich. Faustformeln können Orientierung geben. Foto: Christin Klose
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01. Oktober 2020 - 16:08 Uhr

Sparquote massiv gestiegen

Die Deutschen legen wegen der Corona-Krise so viel Geld auf die hohe Kante wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Selbst während der Finanzkrise 2008/09 war die Sparquote nicht so massiv angestiegen. 

Der gesparte Anteil des verfügbaren Einkommens wächst auf 15 Prozent

Der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet damit, dass die Sparquote der privaten Haushalte in diesem Jahr auf rund 15 Prozent ansteigt nach 10,9 Prozent im vergangenen Jahr. Zuletzt war sie um die 1990er Jahre herum so hoch. "Der massive Anstieg des Sparens ist ein Corona-Sondereffekt", sagte BVR-Vorstandsmitglied Andreas Martin am Mittwoch. "Ausgefallene Urlaubsreisen und verschobene Autokäufe werden nur allmählich nachgeholt." Auch 2021 werde die Sparquote noch höher sein als üblich in den vergangenen Jahren.

Die Menschen in Deutschland legen gemessen am Einkommen generell mehr auf die Seite als in anderen Ländern. In den vergangenen zwei Jahrzehnten pendelte die Sparquote - also der gesparte Anteil des verfügbaren Einkommens - zwischen neun und elf Prozent.

Sicherheit in Krisenzeit: Sparen macht Deutsche glücklich

Dabei hat Sparen noch weitere Effekte: Jeden zweiten Deutschen (60 %) macht Sparen glücklich, darunter mehr Frauen (64 %) als Männer (56 %). Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag von RaboDirect.

Außerdem ist Sparen auch gut für die Nerven. Auch hier scheint sich die Mehrheit der Deutschen einig zu sein. So finden 83 Prozent, dass Sparen eine beruhigende, entspannende Wirkung hat. Mit steigendem Alter nimmt diese Empfindung weiter zu, unter den 60-Jährigen und Älteren fällt die Zustimmung höher (85 %) aus als bei den 14- bis 19-Jährigen (78 %).

So mancher Sparer nimmt laut der Umfrage dafür auch Einschränkungen in Kauf: So finden 33 Prozent der Deutschen, dass Sparen Verzicht bedeutet. Am ehesten bestätigen dies die 20- bis 29-Jährigen (40 %). Insgesamt wird der Aufbau eines Finanzpolsters dennoch seltener mit Enthaltsamkeit in Verbindung gebracht als bisher: So bejahten 2018 noch 37 Prozent die Aussage "Sparen bedeutet Verzicht" - heute sind es immerhin vier Prozentpunkte weniger. Auch andere negative Begleiterscheinungen schließen die Deutschen aus: Nur wenige der in 2020 Befragten finden Sparen nervig (14 %) oder gar spießig (10 %).

Quelle: DPA / RTL.de