Weil sie aus einem Corona-Hotspot kommt?

Autofahrerin mit Gütersloh-Kennzeichen bedroht und beleidigt

Corona-Hotspot Gütersloh

Nach dem massenhaften Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies ist Gütersloh der Corona-Hotspot Deutschlands. Was bei einigen offenbar Angst auslöst – und die gute Kinderstube vergessen lässt: Eine Autofahrerin mit einem Gütersloher Kennzeichen (GT) ist in Münster bedroht und beleidigt worden, als sie ihre Tochter zur Uni bringen wollte, wie unser Video zeigt.

"Ihr alten Drecksschlampen, verschwindet!"

Es war ein echter Spießrutenlauf, den Beate Bredenbals in der 60 Kilometer entfernten Stadt erlebte. "Als wir in Münster reinkamen, hatte ich das Gefühl, dass ein Auto uns schon eine Zeitlang verfolgt", erzählt sie. Dann sei der Wagen neben ihrem Alfa gefahren. Die Beifahrerin habe plötzlich ihren Oberkörper rausgestreckt und "Ihr alten Drecksschlampen, verschwindet!" gerufen.

Nur kurz darauf habe ein Radfahrer an einer Ampel seinen Vorurteilen freien Lauf gelassen: "Wir hatten keine Möglichkeit, wegzukommen", berichtet Beate Bredenbals. "Er hat die Hand hochhoben und so getan, als würde er uns abknallen."

Psychologe: Angst und Frust über Corona-Situation als Auslöser

Wie kann es sein, dass ein Autokennzeichen reicht, um solche Reaktionen hervorzurufen? Psychologe Dirk Baumeier glaubt, dass Angst und Frust über die Corona-Situation zusammenkommen. "Dieser Frust möchte sich entladen. Und wenn man dann ein Kfz-Zeichen aus Gütersloh sieht, haben manche Menschen das Gefühl, zu sagen: 'Das sind die Bösen, denen haben wir es zu verdanken, dass wir immer noch Masken tragen und mit Einschränkungen leben müssen.'"

Zum Glück sind solch extreme Reaktionen aber die Ausnahme.