"Meine Familie wurde mit dem Leben bedroht"

Wegen Corona-App: Krummhörner Campingplatzbesitzer erhält Morddrohungen

28. September 2020 - 14:51 Uhr

Über 100 Hass-Mails und wüste Beschimpfungen

Die Corona-Warn-App ist umstritten, einige Anwender stehen ihr skeptisch gegenüber. Was jetzt in Ostfriesland passiert ist, hat mit sachlicher Kritik aber gar nichts zu tun! Campingplatz-Betreiber Enno Saathoff aus Krummhörn verpflichtet seine Camper dazu, die App zu nutzen und will so für Sicherheit sorgen. Dafür bekommt er diverse Hass-Mails und Anrufe mit absurden Verschwörungstheorien und heftige Unterstellungen.

Welche Drohungen sich Enno Saathoff und seine Familie schon anhören müssen, erzählen sie im Video.

"Ich lasse mich nicht einschüchtern"

Was einige Menschen zu Drohungen und Hasstiraden verleitet, hat für Enno Saathoff einen ganz praktischen Hintergrund. Mit der Pflicht zur Corona-App möchte er die Gäste auf seinem Campingsplatz schützen und für mehr Sicherheit sorgen. Abschaffen will er die Pflicht trotz negativer Reaktionen deswegen nicht: "Ich lasse mich nicht einschüchtern. Das sehe ich nicht ein", sagt der Krummhörner.

Virologe verteidigt den Campingplatzbesitzer

Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer gibt dem Campingplatzbesitzer recht. Wenn die App richtig funktioniere und von vielen Leuten genutzt werde, dann ergebe sie auch auf einem Campingplatz Sinn. "Die Corona-App ist eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, um Ansteckung zu verhindern, insbesondere auch um Cluster-Ausbrüche zu verhindern."

Auch das Recht hat Enno Saathoff auf seiner Seite. Laut Juristen darf der Familienvater neue Gäste zur Nutzung der App durch die Vertragsfreiheit verpflichten, solange er sich die Daten nicht zeigen lässt.

Corona-App seit 100 Tagen aktiv - und umstritten

In der Vergangenheit machte die App durch mehrere Pannen auf sich aufmerksam. Eine aktuelle Forsa-Umfrage von RTL zeigt, dass viele der Anwendung gegenüber skeptisch sind: Nur 35 Prozent empfinden die App als hilfreich, 7 Prozent haben eine Warnmeldung erhalten und nur 1 Prozent ist freiwillig in Quarantäne gegangen.