Zerreißprobe für die Ehe

Wegen Corona: 5-mal so viele Scheidungen erwartet wie sonst

Nicht jede Beziehung hält einer so großen Belastung wie der Corona-Krise stand.
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18. Juni 2020 - 14:59 Uhr

Nachfrage in Kanzleien stark erhöht

Kontaktbeschränkungen, wochenlange Isolation, Geldsorgen: Dass die Corona-Krise für viele Paare zur Zerreißprobe wird, war zu erwarten. Doch jetzt zeigt sich, wie viele daran wirklich schon gescheitert sind: Die Zahl der Scheidungen wird sich in Deutschland infolge der Corona-Einschränkungen voraussichtlich um ein Fünffaches erhöhen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey.

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Deutlich mehr Scheidungswillige als in den Vorjahren

Viele Ehepaare wollen ihren Entschluss, sich zu trennen, offenbar so schnell wie möglich amtlich machen: "Nicht nur die Ergebnisse dieser Scheidungsumfrage, sondern auch die bereits stark erhöhte Nachfrage in den Rechtsanwaltskanzleien lassen diesen Schluss zu", sagt Alicia von Rosenberg, Familienrechtlerin mit Kanzlei in Berlin.

2,2 Prozent der 2.500 Befragten gaben an, während den Corona-Einschränkungen von Ende März bis Ende Mai die Entscheidung getroffen zu haben, sich scheiden zu lassen. Nur 0,42 Prozent aller Verheirateten sind es laut Statistischen Bundesamt in einem vergleichbaren Zeitraum (Zwei-Monats-Durchschnitt im Jahr 2018).

Im Video: Deshalb rät eine Paartherapeutin von der Corona-Scheidung ab

Zwei Gründe für endgültigen Schlussstrich

Laut von Rosenberg lassen sich die Scheidungswilligen seit dem sogenannten Lockdown in zwei Fallgruppen einteilen:

  • Paare, bei denen der räumliche Einschluss der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat
  • Länger getrennte Paare, die durch das erzwungene Innehalten nun ihre Verhältnisse ordnen und mit dem Kapitel Ehe abschließen möchten.

Doch selbst während der Corona-Pandemie ändert sich nichts an den gesetzlichen Voraussetzungen einer Scheidung. "Selbst wenn sich die Eheleute weitgehend einig sind, so sind doch eine Reihe von Bedingungen zu erfüllen", gibt von Rosenberg zu bedenken.

Wie eine Scheidung im besten Fall abläuft, erklären wir in diesem Artikel.

Mehr zum Thema Scheidung erfahren Sie hier.

Nicht alle Paare haben wegen Corona jetzt genug voneinander: Bei manchen entwickelte sich die Beziehung durch die Corona-Krise sogar zum Positiven und es gab mehr Sex.

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