Wegen „Außerehelichem Sex“: In Dubai wurde eine vergewaltigte Britin verhaftet

Eine 25-Jährige Britin wurde im Urlaubsparadies vergewaltigt und wegen "außerehelichem Sex" festgenommen
© R2964 Udo Bernhart

20. November 2016 - 8:40 Uhr

Der Vorwurf: "Außerehelicher Geschlechtsverkehr"

Weil sie in ihrem Urlaub vergewaltigt wurde, ist eine 25 Jahre alte Britin in Dubai verhaftet worden. Der Grund: Sie habe gegen das Verbot von "außerehelichem Sex" verstoßen. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation 'Detained in Dubai' (Inhaftiert in Dubai).

Täter sollen britische Landsleute sein

Die Frau hatte im Oktober in den Vereinigten Arabischen Emiraten Urlaub gemacht und dort zwei ihrer Landsleute kennengelernt. Diese hätten sie dann abwechselnd missbraucht und die Tat mit dem Handy gefilmt.

Danach sei die junge Frau arglos zur Polizei gegangen, um die Tat anzuzeigen. Statt ihr aber zu helfen und die Täter zu ermitteln, nahmen die Beamten sie fest. Ihr wird vorgeworfen, Ehebruch begangen zu haben.

Da das Gesetz in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht zwischen einvernehmlichem und erzwungenem Sex unterscheidet, wird das Opfer meist zum Täter. Vergewaltigungsopfern drohen demnach empfindliche Strafen bis hin zum Tod durch Steinigung.

Eine Vergewaltigung gilt nach islamischem Recht erst dann als bestätigt, wenn sich der Täter entweder für schuldig bekennt oder die Tat von vier erwachsenen Männern bezeugt wird.

"Die Opfer wenden sich an die Behörden, weil sie Gerechtigkeit wollen"

Wie die Gründerin der Hilfsorganisation 'Detained in Dubai', Radha Stirling, berichtet, hat das Land "eine lange Geschichte, Vergewaltigungsopfer zu kriminalisieren." Stirling kümmert sich um Justizopfer in den Vereinigten Arabischen Emiraten und hält auch Kontakt mit der Familie der Britin. "Die Opfer wenden sich an die Behörden, weil sie Gerechtigkeit wollen", sagt sie weiter. Stattdessen würden sie verfolgt und bestraft. "Das ist ungeheuer beunruhigend."

Auf Kaution frei, aber Pass entzogen

Das Vorgehen der Behörden vor Ort ist ein Schlag ins Gesicht für das Vergewaltigungsopfer. Zwar ist die Britin inzwischen auf Kaution frei gekommen, jedoch wurde ihr Pass eingezogen. Eine Ausreise ist so praktisch unmöglich.

Die beiden Täter sollen dagegen unbehelligt das Land in Richtung Großbritannien verlassen haben. Gegen sie wird nicht ermittelt. Das berichtet der 'Guardian'. Die BBC beruft sich aber auf das britische Außenministerium und schreibt, dass auch sie die Pässe abgeben mussten.

Das wiederum hat gegenüber dem 'Independent' mittlerweile bestätigt, dass ihnen der Fall bekannt sei.

Die Britin ist nicht die erste Frau, die nach einer Vergewaltigung selber im Gefängnis landete. Auch eine Niederländerin wurde in Katar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie gegen die Scharia verstoßen haben soll. Ebenfalls in Dubai wurde eine Norwegerin aufgrund heftiger Proteste aus Oslo begnadigt.